Korneuburg - Im Rahmen des im Jänner begonnenen Prozesses um den mutmaßlichen Bauskandal am Flughafen Wien-Schwechat stand am Dienstag in Korneuburg ein prominenter Zeuge Richterin Karin Santa zweieinhalb Stunden lang Rede und Antwort. Gerhard K. (60), mittlerweile pensionierter Vorstandsdirektor des Airports, konnte sich an einige Vorgänge im Zusammenhang mit den Baulosen, bei denen Ungereimtheiten im Raum stehen, nicht im Detail erinnern. Der Zeuge gab an, den angeklagten Ex-Chef der SBG (Schwechater Bau GesmbH), Franz Graf, bei gesellschaftlichen Events offizieller, aber auch privater Natur getroffen zu haben. Die SBG war einer Orte, wo der Schwechater Fußballklub, dessen Präsident er war, feierte. "Habe ich Sie jemals auf einem dieser Feste auf einen Geschäftsfall angesprochen?", wollte Graf wissen. "Nein", so K. Die nächste Frage des Angeklagten - "Wenn ich eh' für alles verantwortlich gemacht werde, wohl auch dafür, dass Sie Vorstand geworden sind?" - verwies die Richterin in den Bereich des Emotionalen. Santa befragte den Zeugen hinsichtlich der Rechnungshof-Kritik, wonach immer nur ein Ziviltechnikerbüro beauftragt worden war. Das Unternehmen sei, so die Antwort, seit 1981 mit den Planungen am Airport betraut gewesen. Der Flughafen habe genau aufgelistet, wo Konsequenzen aus dem Bericht gezogen wurden und wo man anderer Meinung war. Die - ebenfalls kritisierten - Auseinandersetzungen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, die zur Einholung eines Gutachtens über die Kompetenzen des Aufsichtsrates führten, erklärte K. zum einen mit einem Aufsichtsratsmitglied (gemeint war der nunmehrige Justizminister Dieter Böhmdorfer, Anm.) sowie mit divergierenden Auffassungen über die Frage, wie intensiv der Aufsichtsrat mit den Investitionen am Airport befasst sein sollte. Zur Anbotseröffnung für die Vorfelderweiterung erläuterte der Zeuge, dass dem Vorstand der Vergabevorschlag übermittelt worden sei. Seine Mitarbeiter im Technikbereich, die nun auf der Anklagebank saßen, hätten ihm ebenso wie die Rechtsabteilung versichert, dass alles in Ordnung war. Die Richterin wunderte sich, dass darüber nur mündlich berichtet wurde. Immerhin sei es bei dem Baulos um 137 Mill. S gegangen. K. gab weiters an, auch die Leistungsverzeichnisse der ausgeschriebenen Kontrahentenleistungen nicht selbst gesehen zu haben. Zur Sprache kam auch, was im Haus (Flughafen, Anm.) so alles über die diversen Bauprojekte gesprochen wurde. Immerhin liegen mehrere den einen oder anderen Beschuldigten belastende Zeugenaussagen von Airportmitarbeitern vor. K. meinte, dass es in jeder Firma eine "Neidgenossenschaft" gebe. Zweiter Vorstand entschuldigt Der pensionierte Vorstandsdirektor des Flughafens war im Zuge der Aufdeckung des mutmaßlichen Bauskandals auch wegen möglicher Ungereimtheiten bei der Errichtung seines privaten Weinkellers ins mediale Licht gerückt. Dazu erklärte Gerhard K. heute, er habe eigens eine Baufirma gesucht, die nicht am Flughafen beschäftigt war. Wie jenes Unternehmen, bzw. der Baumeister, mit der SBG (die die Erdarbeiten vornahm, Anm.) abgerechnet habe, wisse er nicht - auch nicht, ob es ein Geschäft für Graf war. "So ein Geschäft kann es für Graf nicht gewesen sein, wenn er nichts verrechnet hat", meinte die Richterin. Laut vorliegender Aussage des Baumeisters sind dessen Leistungen nicht in der dem Airport-Chef verrechneten Pauschale von 480.000 Schilling enthalten gewesen. Geplant hatte den Weinkeller der Planungschef des langjährigen Ziviltechnikerbüros des Flughafens. Der zweite für heute als Zeuge geladene Vorstand ließ sich entschuldigen. Dem Verhandlungsplan nach werden von morgen, Mittwoch, bis Freitag weitere Zeugen - u.a. von der Rechtsabteilung des Flughafens - befragt. Weitere Termine sind in der Karwoche (9. bis einschließlich 12. April) angesetzt. Da soll u.a. der damalige Flughafen-Revisor aussagen, aber auch jener Ex-Bauleiter bei der SBG, der sich zu Prozessbeginn im Jänner schuldig bekannt hatte und bereits am ersten Verhandlungstag zu einem Jahr bedingt verurteilt worden war. In dem Prozess, der wegen der Erkrankung zweier Schöffen seit gestern, Montag, neu aufgerollt wird, sind 13 Personen - darunter fünf ehemalige Airportangestellte - u.a. des Betruges und der Untreue angeklagt. (APA)