Der deutsche Umweltminister Jürgen Trittin hat es in den vergangenen Monaten seinen Parteifreunden schwer gemacht. Mit seinem unbeherrschten Angriff auf CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, den er als Skinhead bezeichnet hatte, lieferte er eine Vorlage für die Christdemokraten bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Da sich Trittins Reaktion auf den von Meyer verwendeten Satz, er sei stolz, ein Deutscher zu sein, bezog, bot der Grüne den Christdemokraten damit einen willkommenen Anlass, eine Nationalismusdebatte vom Zaun zu brechen. Damit konnte die CDU Wähler aus dem rechten Spektrum - insbesondere von den Republikanern im Ländle - (zurück-)erobern.

Aber die Spitze der Grünen macht es sich zu einfach, Trittin und seiner rüden Verbalattacke die Hauptschuld an den verheerenden Verlusten der Ökopartei zuzuweisen. Wahlanalysen zeigen, dass zwei Drittel der Grünen-Anhänger, die am Sonntag zum Urnengang aufgerufen waren, wie Trittin den Spruch "Ich bin stolz, Deutscher zu sein" ablehnen. Vielmehr hat den Grünen ihre ambivalente Haltung zur Atomenergie geschadet. Es zeugt schon von besonderer Dialektik, dass die Parteiführung in diesen Tagen an Protestaktionen gegen die Atommülltransporte im Wendland teilnimmt, gleichzeitig aber in Berlin deren Notwendigkeit betont.

Angesichts dieses Schlingerkurses ist es kein Wunder, dass Erfolge der rot-grünen Bundesregierung auf das Konto der SPD verbucht werden. Gerhard Schröder kann sich deshalb sowohl als Regierungschef als auch als SPD-Vorsitzender zufrieden zurücklehnen: Mit der Drohung, die FDP komme ebenfalls als Koalitionspartner infrage, kann er die Grünen weiterhin zahm halten. Und mit Trittin hat er einen Sündenbock im Kabinett, auf den sich nicht nur die Attacken der politischen Konkurrenz, sondern auch die des Koalitionspartners konzentrieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 27.3.2001)