Hebron/Jerusalem - Nach den tödlichen Schüssen auf ein israelisches Baby in Hebron ist es am späten Montagabend in der Stadt im Westjordanland zu schweren Unruhen gekommen. Aufgebrachte jüdische Siedler lieferten sich Feuergefechte mit Palästinensern und versuchten, in die palästinensischen Stadtviertel vorzudringen. Die israelische Armee forderte die Bewohner des palästinensischen Abu Sanina-Viertels, von dem aus die tödlichen Schüsse abgefeuert worden sein sollen, auf, ihre Hauser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Wie der israelische Rundfunk berichtete, hinderten Polizei und Armee die jüdischen Siedler daran, in die Palästinenserviertel vorzudringen. Israels Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer mahnte die Siedler zur Ruhe und forderte sie auf, das Recht nicht in eigene Hände zu nehmen. "Wir können uns nicht auf die Stufe der Mörder herablassen", sagte er. Zugleich kündigte er eine "angemessene" Reaktion der Armee an. Zehn Monate alt Das zehn Monate alte Mädchen war am Nachmittag tödlich verletzt worden, als ein Heckenschütze das Feuer auf seinen Vater eröffnete. Nach israelischen Angaben handelt es sich bei dem Täter um einen Palästinenser. Von palästinensischer Seite wurde diese Darstellung zurückgewiesen. Der palästinensische Minister Rabbo sagte in Amman, es gebe keinen Beweis dafür, dass das Mädchen von einem Palästinenser erschossen worden sei. Er fügte hinzu, dass nach Einschätzung der Palästinenser die "Gräueltaten der Besetzung" für alle Verbrechen verantwortlich seien, durch die Palästinenser und Israelis getötet worden seien. Im Zentrum Hebrons leben etwa 400 als äußerst radikal geltende jüdische Siedler unter etwa 40.000 Arabern. Die jüdischen Siedler werden von starken israelischen Militäreinheiten beschützt. Seit dem Ausbruch des Palästinenseraufstands Ende September des vergangenen Jahres lebt die arabische Bevölkerung fast ohne Unterbrechung unter strikten Ausgangssperren. Auch aus anderen Teilen des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens wurden am Montagabend Zusammenstöße zwischen bewaffneten Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gemeldet. Wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen in Hebron hat die israelische Regierungskoalition am Montagabend ein erstes Misstrauensvotum der Opposition in der Knesset überstanden. Der Oppositionsführer Yossi Sarid von der liberalen Meretz-Partei hatte den Antrag eingebracht, um damit gegen den völligen Stillstand im Friedensprozess mit den Palästinensern zu protestieren. Nach stundenlanger Debatte stimmten die noch anwesenden Koalitionsabgeordneten jedoch mit 54 zu 15 Stimmen gegen den Antrag. (APA/dpa/Reuters)