Tel Aviv - Jonit und Fawzi haben sich auf der Straße kennen gelernt, sich über beide Ohren verliebt und bald geheiratet. Eigentlich eine ganz alltägliche Geschichte - wären die beiden nicht Israelin und Palästinenser. Spätestens seit Beginn der blutigen Auseinandersetzungen zwischen ihren beiden Völkern vor einem halben Jahr ist die Liebe so genannter "gemischter Paare" zum Spießrutenlauf zwischen den Fronten geworden. Seit vergangenem Oktober sitzt Fawzi im von Israel abgeriegelten Gazastreifen fest und kann Jonit nicht mehr besuchen. Ihr ist es andererseits verboten, die Palästinensergebiete zu betreten. "Wir schreiben uns ständig E-Mails und telefonieren", erzählt Jonit. Die beiden Liebenden, die im September 1999 in den USA geheiratet hatten, wollen trotz aller Anfeindungen und Schwierigkeiten im Rahmen von Familienzusammenführung eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Die junge Frau beschreibt jedoch endlose bürokratische Manöver des israelischen Innenministeriums im Versuch, das Paar zu trennen. "Zwei Mal ist unsere Akte einfach 'verloren gegangen' und wir mussten alles von vorn beginnen", sagt sie verzweifelt. "Aber ich kann und will ihn einfach nicht aufgeben." Kampf um Familienzusammenführung So wie Jonit und Fawzi geht es Dutzenden jüdisch-arabischer Paare, meist eine israelische Frau und ein palästinensischer Mann. 30 von ihnen werden von der nicht-staatlichen Hilfsorganisation "Neue Familie" in Tel Aviv vertreten. Die Organisation unter Leitung der Rechtsanwältin Irit Rosenblum kämpft im Namen der Paare um Anerkennung der Ehe in Israel und um Familienzusammenführung. Rosenblum beschreibt mit großer Empörung die massiven Schwierigkeiten, die das israelische Innenministerium solchen "unerwünschten" Paaren bereitet. Die zumeist im Ausland geschlossenen Ehen - in Israel gibt es keine Zivilehe, so dass Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit nicht heiraten können - werden nicht immer anerkannt. "Wenn die Frau nicht als verheiratet registriert ist, kann sie auch keine Familienzusammenführung (mit dem Mann) beantragen", erzählt die resolute Gründerin der Hilfsorganisation in ihrem Büro im Zentrum Tel Avivs. "Manchmal hat man wirklich das Gefühl, man kämpft gegen ein bürokratisches Monster." Bürokratie und Hass gegen "gemischte" Paare Sie erzählt von einem anderen Paar, das seit sechs Jahren verheiratet ist und eine fünfjährige Tochter hat. Der Vater, der aus dem Gaza-Streifen stammt, darf Frau und Kind in Israel nur einmal im Monat am Wochenende besuchen. "Er hat nie an Angriffen gegen Israel teilgenommen, er liebt eine Israelin, hat eine Tochter mir ihr und will hier leben - aber man erlaubt es ihm nicht", sagt Rosenblum. "Manchmal habe ich das Gefühl, wir zwingen sie, uns zu hassen." Auch auf der palästinensischen Seite wird jüdisch-arabischen Paaren das Leben schwer gemacht. Die 20-jährige Chanit hat den 30-jährigen Mohammed in einem bekannten Tel Aviver Restaurant kennen gelernt und wenige Monate später geheiratet. Chanit konvertierte sogar zum Islam und wurde von der Familie ihres Mannes herzlich aufgenommen. Als Israel die Blockade gegen die Palästinensergebiete verhängte, musste Mohammed zurück in sein Dorf im Westjordanland in der Nähe von Jerusalem. Morddrohungen Seine Frau begleitete ihn. Dann wurde das Leben der beiden jedoch zum Albtraum: Einwohner des Dorfes machten es der jungen Frau unmissverständlich klar, dass sie als Israelin unerwünscht sei. Junge Palästinenser drohten, sie zu ermorden. Vor zwei Wochen versuchten Mitglieder der Jugend-Fatah Yasser Arafats dann, das Paar zu verprügeln - Chanit floh zurück nach Israel. "Vielleicht waren all diese Paare unglaublich naiv", meint Rosenblum mit einem bitteren Lächeln. "Aber bis zum Ausbruch der Unruhen glaubten sie ganz einfach an eine bessere, friedliche Zukunft in dieser Region." (von Sara Lemel/dpa)