Wien - Sobald die Universitäten in die Vollrechtsfähigkeit entlassen sind, sollen sie die Höhe der Studiengebühren selbst festlegen können. Der Rektor der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien, Hans Robert Hansen, erwartet, dass das Bildungsministerium die Bandbreite am Anfang mit 5.000 bis 8.000 Schilling pro Semester vorgeben und mittelfristig die Höchstgrenze auf 25.000 Schilling anheben werde. "Wenn die derzeitige Regierungskoalition nach der nächsten Nationalratswahl weiter geführt werden sollte, rechne ich irgendwann mit einer völligen Freigabe", sagte Hansen in einem Interview in der Uni-Zeitung "wu-memo". Dies werde zu einer großen studienrichtungs- und hochschulbezogenen Variantenvielfalt führen. Die Spitzensätze würden - so wie derzeit in den USA - mehrere hunderttausend Schilling betragen, mit denen für diejenigen, die sich das leisten können, sehr gute Studienbedingungen geschaffen werden können, meinte Hansen. Auf die Frage, wie groß die vorgegebene Bandbreite für die Studiengebühren sein sollte, meinte Hansen: "Null, genauso wie die Höhe der Studiengebühren." Studiengebühren sollten den Unis zugute kommen Wenn schon Studiengebühren verlangt werden, sollten sie wenigstens den Unis zugute kommen, an denen die "Steuerpflichtigen" zugelassen sind, meinte der WU-Rektor. Die Unis sollten dabei die Möglichkeit haben, die Studiengebühren nach Kosten- und Leistungsgesichtspunkten zu differenzieren: "Also beispielsweise keine Gebühren innerhalb der Regelstudienzeit, danach progressiv steigende Gebühren bis zu 50 Prozent Kostenersatz, um die viel zu lange Studiendauer abzukürzen", so Hansen. Der Rektor "befürchtet", dass seine Universität "nach einer Anstandsfrist" die vom Ministerium vorgegebenen Höchstgrenzen voll ausschöpfen werde. Dadurch werde sich die Zahl der Studierenden erheblich reduzieren, bei Studiengebühren jenseits der 20.000-Schilling-Grenze auf vielleicht 10.000 bis 12.000 Hörer (derzeit rund 22.000). Diese würden auf Grund der zusätzlichen Mittel hervorragend betreut werden können und entsprechend begeistert sein. "Das gesellschaftspolitische Problem sind die anderen 10.000 Personen, die sich dann ein WU-Studium nicht mehr leisten können und auf weniger gute Ausbildungsstätten angewiesen sind oder sogar ganz auf ein Studium verzichten müssen", sagte Hansen. Spitzenunis wie die WU werden nach Ansicht Hansens auch bei hohen Studiengebühren genügend Studierende anziehen. Hingegen würden Unis und Fachhochschulen in den Bundesländern, die sich nicht rechtzeitig auf spezielle Marktsegmente ausrichten, Probleme bekommen. (APA)