Wien - Rund 60 Lehrer aller Schultypen demonstrierten am Mittwoch vor der Zentrale der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) gegen die Regierungspläne im Bildungsbereich sowie den ihrer Meinung nach zu schwachen Protest der Gewerkschaft. Organisiert wurde die Kundgebung vom gewerkschaftskritischen "Aktionskomitee Henriettenplatz". Eine Abordnung der Pädagogen wurde vom Vorsitzenden der AHS-Lehrergewerkschaft, Helmut Jantschitsch, empfangen. Zu wenig ist dem Aktionskomitee die noch bis 2. April laufende Urabstimmung unter den rund 20.000 AHS-Lehrern über einen unbefristeten Streik mit dem Junktim einer Beteiligung von BHS- oder Pflichtschullehrern. Vielmehr müssten die im Budgetbegleitgesetz enthaltenen Verschlechterungen für Lehrer fallen. Die Lehrer forderten die Gewerkschaftsspitze auf, einen unbefristeten Lehrerstreik in ganz Österreich zu organisieren und einen möglichen Streik der Vorarlberger Lehrer rückhaltlos zu unterstützen. "Es reicht - wir wehren uns" In Vorarlberg halten heute Lehrer aller Schultypen im Feldkircher Montforthaus eine landesweite Dienststellenversammlung ab. Unter dem Motto "Es reicht - wir wehren uns" wollen die Pädagogen sektionsübergreifend gegen die Sparmaßnahmen im Bildungsbereich mobil machen. Dieser Protest wird auch von der AHS-Gewerkschaft unterstützt. Der Protest richtet sich im AHS- und BHS-Bereich vor allem gegen Neuregelungen bei der Bewertung von Klassenvorstands- und Kustodiatstätigkeiten durch das im November 2000 verabschiedete Budgetbegleitgesetz. Nicht einverstanden ist man damit, dass Klassenvorstände und Kustoden künftig finanzielle Zulagen von 2.000 bzw. 1.100 bis 1.600 Schilling monatlich statt Abschlagsstunden bei der Lehrverpflichtung für diese Tätigkeit bekommen. Befürchtet wird dadurch der Abbau von Junglehrern und Gehaltseinbußen für ältere Kollegen. Ebenfalls auf Kritik stößt die Änderung bei der Abgeltung von Supplierstunden. Jeder Lehrer kann demnach eine Stunde pro Woche ohne Bezahlung zur Vertretung eines Kollegen herangezogen werden. Außerdem fordern die AHS-Lehrer eine Anhebung der Anfangsgehälter sowie Gehaltserhöhungen über der Inflationsrate. Lehrer fürchten Gehaltsverlust Im Pflichtschulbereich sind die protestierenden Lehrer mit dem im Nationalrat beschlossenen neuen Dienstrecht für Landeslehrer unzufrieden. Dieses "Jahresnormmodell" löst das "Pflichtstundenmodell" ab, das eine Lehrverpflichtung von 23 Stunden pro Woche vorsieht. Die Arbeitszeit der Landeslehrer wird vielmehr durch die Fixierung eines Jahreszielwerts von rund 1.800 Stunden festgelegt, der sich in drei Gruppen gliedert. Neben stundenplanmäßigem Unterricht und Tätigkeiten "im Kontakt mit den Schülern" wird eine gewisse Arbeitszeit für Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturarbeiten veranschlagt. Außerdem steht für Tätigkeiten zur Organisation und Innovation von Schule wie etwa Fortbildung oder Teilnahme am Schulforum ein Zeitrahmen zur Verfügung. Durch den Wegfall von Zuschlägen und Mehrdienstleistungen fürchten die Lehrer einen Gehaltsverlust. Die Gewerkschaftsspitze wiederum verweist darauf, dass durch das Modell Arbeitsplätze gesichert werden konnten.(APA)