Wien - Zu einem scharfen Wortgefecht zwischen dem Dritten Nationalratspräsidenten Werner Fasslabend und dem geschäftsführenden SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka kam es Mittwoch im Nationalrat am Ende der - zuletzt recht hitzigen - Debatte über das Suchtmittelgesetz. Weil Fasslabend einen seiner Meinung nach angebrachten Ordnungsruf nicht erteilt hatte, appellierte Kostelka an Fasslabend, alle Fraktionen gleich zu behandeln. Fasslabend drohte daraufhin an, "die Geschäftsordnung in anderer Weise anzuwenden". Anlass war die Rede des FPÖ-Abg. Kurt Scheuch, der die Oppositionsparteien in Sachen Drogenpolitik heftig angriff und schließlich nach einem Zwischenruf der Grünen Abg. Eva Glawischnig - sie soll laut ihrem Kollegen Karl Öllinger Scheuch nur zur Erklärung dessen, was Scheuch sagte, aufgefordert haben - meinte, damit stelle sie sich als "Lobbyistin der Drogenbosse" heraus. Fasslabend rief Scheuch daraufhin zu einer anderen Wortwahl auf, weil man sich "scharf an der Grenze" bewege. Öllinger wies den Zweiten Präsidenten auf Scheuchs Aussage hin und forderte ihn auf, sich das Protokoll zu beschaffen und einen Ordnungsruf zu erteilen. "Wenn das tatsächlich eine gravierende Beleidigung in dem Ausmaß war, werde ich einen Ordnungsruf erteilen. Ich habe es so nicht vernommen", meinte Fasslabend zunächst. Wirbel Dann trat allerdings Kostelka ans Rednerpult - mit seiner Forderung, alle Fraktionen gleich zu behandeln. Fasslabend fiel ihm ins Wort und "verwahrte" sich "gegen den Vorwurf, dass ich die Fraktionen nicht gleich behandle". Er verwies auf den hohen Lärmpegel, "man hört verschiedene Ausdrücke und Sätze hier nicht vollständig" , deshalb brauche er das Protokoll. Und sagte zu Kostelka: "Wenn Sie das nicht zur Kenntnis nehmen, werde ich die Geschäftsordnung in anderer Weise zur Anwendung bringen." Der SP-Klubchef erwiderte: "Ich nehme an, dass Sie mir nicht drohen wollen - und dass das nicht ein Versuch ist, einen frei gewählten Abgeordneten am Reden zu hindern." Fasslabend fiel ihm neuerlich ins Wort: "Es ist unmöglich, eine derartige Vorgangsweise. Wenn Sie so fortfahren, bin ich gezwungen, Ihnen dafür einen Ordnungsruf zu geben bzw. die Geschäftsordnung weiter anzuwenden." Kostelka wies daraufhin Scheuchs Vorwurf, die SPÖ würde Drogendealer schützen, zurück, forderte ihn zu einer Entschuldigung auf - und sagte zu dem jungen Abgeordneten: "Das Privileg, hier sprechen zu dürfen, heißt nicht, tun zu dürfen, was man will." Die folgende Abstimmung zur Suchtmittelgesetz-Novelle verlief laut wie selten, unter Schreiduellen zwischen Oppositions- und Regierungsfraktionsbänken. Fasslabend ersucht die Abgeordneten, "Ruhe walten zu lassen" - und forderte namentlich SPÖ-Abg. Rudolf Nürnberger auf: "Beruhigen Sie sich, wir sind im Parlament." Ordnungsruf für Scheuch Nach Einsicht in das Protokoll erteilte der Dritte Nationalratspräsident Werner Fasslabend dem FPÖ-Abg. Kurt Scheuch Mittwoch Nacht doch noch einen Ordnungsruf. Im Protokoll fand Fasslabend bestätigt, dass Scheuch zu der Grünen Abg. Eva Glawischnig gesagt hatte: "Ihre Zwischenrufe demaskieren Sie als Lobbyistin für Drogendealer". (APA)