Wien - "Ich war wirklich überwältigt. Die Wärme, die mir entgegengebracht wurde und die Jugend der ZuhörerInnen war verblüffend. Wildfremde Menschen haben mir die erstaunlichsten Dinge gesagt, als ich meine Bücher signiert habe, und ich hätte mir oft gewünscht, mehr Zeit für sie zu haben." Lily Brett, die in den USA lebende australische Autorin, steht noch immer unter den Eindrücken ihrer soeben absolvierten Lesetournee in Deutschland. "Die Säle waren überfüllt. In Berlin musste ich über Menschen steigen, um auf die Bühne zu kommen." Am Donnerstag traf die Bestsellerautorin in Wien ein und absolvierte zum Auftakt eines dicht gedrängten Programmes ein Pressegespräch. Am Sonntag, 1. April (11 Uhr) liest Lily Brett gemeinsam mit Andrea Eckert aus ihrem jüngsten Roman "Zu viele Männer" im Theater in der Josefstadt. Doch im Mittelpunkt ihres Wien-Aufenthaltes steht eigentlich die Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem in England geborenen und in Australien aufgewachsenen Maler David Rankin, dessen Monographie soeben im Verlag Christian Brandstätter erschienen ist. "Die Gedichte schienen mir zu persönlich" Im Jüdischen Museum wird am Donnerstag um 18.30 Uhr eine von dem Kurator Werner Hanak, dem Designer Thomas Exner und dem Konzeptkünstler Gerhardt Treml konzipierte und gestaltete Installation eröffnet, die eine Auswahl von Gedichten Lily Bretts und den dazugehörigen Bildern Rankins verarbeitet. In dem erstmals künstlerisch genutzten engen Notstiegenaufgang des Museums wurden Gedichte und Bilder mit Siebdruck aufgebracht, dazu konfrontieren winzige Video-Monitore die Besucher sowohl mit Bildern von Überwachungskameras als auch mit langsam vorbeiziehenden Texten. Die Gedichte entstammen alle dem soeben in deutscher Übersetzung erschienenen Band "Auschwitz Poems" mit dem Lily Brett, die als Tochter zweier Auschwitz-Überlebender 1946 in einem US-Lager für Displaced Persons in Deutschland geboren wurde, sich mit den schrecklichen Erlebnissen ihrer Eltern auseinandersetzt. "Als Lily mich das erste Mal fragte, ob ich diesen Gedichtband illustrieren würde, lehnte ich zunächst ab", erzählt David Rankin, "die Gedichte schienen mir zu persönlich. Aber ich habe gesehen, dass gerade das Persönliche ihre Qualität ausmachen. Denn von der schieren Zahl der Toten wird man nur überwältigt, es sind die Details, die wirklich betroffen machen." "Was ist die Essenz des Menschen?" In der dem Jüdischen Museum gegenüber liegenden Galerie Charim-Klocker wird anschließend (20 Uhr) eine Ausstellung mit David Rankins Bilder-Zyklus "Dona Nobis Pacem" eröffnet. "Das ist unser erstes gemeinsames künstlerisches Auftreten", sagt Lily Brett, "wir haben Jahre gebraucht, um darauf zu kommen, dass wir eigentlich beide nach der gleichen Antwort suchen: Was ist die Essenz des Menschen?" (APA)