Moskau/New York - Einen Tag nach seiner Ernennung hat sich der neue russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow für die allmähliche Abschaffung der Wehrpflicht ausgesprochen. Iwanow erklärte am Donnerstag, eine kleinere und kostengünstigere Armee sei mobiler und ermögliche den Kauf von neuen Waffen. Die Reform der Streitkräfte solle jedoch langsam vorangehen. "Die nationale Sicherheit ist keine Sphäre, in der Revolutionen möglich sind", sagte Iwanow nach Beratungen mit Präsident Wladimir Putin.

Iwanow löst Igor Sergejew ab, der sich einer Reform der Streitkräfte widersetzt hat. Die Abschaffung der Wehrpflicht wird schon seit Jahren diskutiert. Iwanow präsentierte im Vorjahr einen Plan, nach dem die Streitkräfte um 365.000 Mann reduziert werden sollten. Das Verteidigungsministerium lehnte dies ab. Alle russischen Männer müssen mindestens zwei Jahre Militärdienst leisten.

Um die Militärfinanzen besser verwalten zu lassen, versetzte Putin die Expertin Ljubow Kudelina vom Finanz- in das Verteidigungsministerium. Sie ist die erste Vizeverteidigungsministerium in der russischen Geschichte. Seit 1999 verwaltete sie als Vizefinanzministerin das Budget für den Sicherheitsapparat aus Polizei, Armee und Geheimdiensten. "Wir müssen jede Kopeke zählen", pflegte Kudelina den Generälen zu erklären - und erhielt dafür den Spitznamen "Kopeke".

USA überprüfen Abrüstungshilfe

Die US-Regierung will Zeitungsberichten zufolge alle amerikanischen Programme überprüfen, die bei der Abrüstung russischer ABC-Waffen helfen sollen. Die vom Nationalen Sicherheitsrat der USA initiierte Überprüfung werde zu weitreichenden Veränderungen bei den Programmen führen, die zum Abbau der russischen Produktion von atomaren, biologischen und chemischen Waffen aufgelegt wurden, berichtete die New York Times am Donnerstag in ihrer Online-Ausgabe.

Die Programme mit jährlichen Kosten von umgerechnet rund zwölf Milliarden Schilling (869 Mio. EURO) werden dem Bericht zufolge unterschiedlich beurteilt. Sie dienten nicht nur der Abrüstung der früheren sowjetischen ABC-Anlagen in Russland, sondern sollten auch den Diebstahl durch Terroristen sowie die Lieferung von Waffen und gefährlichem Material an Staaten wie Nordkorea und den Irak verhindern.(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 30.3.2001)