Wien - "Die Investitionen in die Forschung liegen in der EU bei 1,8 Prozent der Wertschöpfung, in den USA bei 2,7 Prozent, in Japan bei 3,1 Prozent. Dabei sind die Forschungsquoten in Europa in den vergangene zehn Jahren sogar rückläufig, während sie in den USA und Japan kräftig gestiegen sind. Diese Bestandsaufnahme ist alarmierend", sagte der EU-Forschungskommissar Philippe Busquin am Donnerstag bei einer Konferenz über die Zukunft europäischer Forschung in der Wirtschaftskammer in Wien. Abgesehen von diesen Defiziten im Volumen fehle es in Europas Forschung aber vor allem an Kohäsion: "Es gibt 15 nationale Forschungsprogramme und nur ein gemeinsames europäisches, und dieses macht gerade einmal fünf Prozent des EU-Budgets aus." Europas Maxime müsse daher die maximale Mobilisierung von Synergien lauten, erklärte Busquin. Denn das Potenzial sei durchaus vorhanden, etwa auch in der Forschung zur Genomsequenzierung, "aber Europa hat sich da fast ganz herausgehalten." Förderung der Mobilität Ein wesentliches Element dabei sei die Förderung der Mobilität der Forscher in Europa. "Für österreichische Forscher etwa ist es oft leichter, in die USA zu gehen als zum Beispiel nach Schweden", so Busquin. Als eine Maßnahme dazu werde derzeit etwa an einer Kartierung wissenschaftlicher Exzellenz in Europa gearbeitet. Ein gravierendes Problem ist auch das immer noch fehlende gemeinschaftliche Patentrecht. Ein Vehikel zur Mobilisierung von Synergien, so Busquin, sei das derzeit in Ausarbeitung stehende sechste Rahmenprogramm für die Forschung. Nach den Vorschlägen der Kommission soll es mit 17,5 Mrd. Euro (rund 240 Mrd. S) über vier Jahre dotiert werden und an das noch bis Ende 2002 laufende fünfte Programm anschließen. Konzentration und Vereinfachung müssten dafür als Gestaltungsprinzipien gelten. "Derzeit gibt es in Europa rund 22.000 Forschungsprojekte mit 100.000 Beteiligten, das kann nicht verwaltet werden", sagte Busquin. Ziel müsse es sein, sich auf 5000 Projekte zu konzentrieren, um kritische Massen zu erreichen. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl betonte die Sorgen der Klein- und Mittelbetriebe (KMU), dadurch schwerer an Programme heranzukommen. Leitl stellte drei Forderungen: Der Fördersatz für KMU sollte um zehn Prozentpunkte erhöht werden; für KMU sollte es ein eigenes Projektbudget von zwei Mrd. Euro geben; und zwischen Ausschreibungsende und Abschluss eines Fördervertrags sollen maximal 120 Tage vergehen dürfen. (jost, DER STANDARD, Printausgabe 30.3.2001)