St. Pölten - Leopold Saul steht vor einem Stapel kunstvoll gearbeiteter Holzsärge. Immer noch geblendet vom neuesten Spezial-Chrysler, dem letzten Schrei am Leichenwagen-Markt, beschreibt der Direktor des Veranstaltungszentrums St. Pölten (VAZ) die Stimmung vor und während der Devota: "Lustig. Einfach lustig." Die Devota ist an sich eine ganz normale Fachmesse. Nur das Dargebotene hebt sich etwas vom sonstigen Messealltag ab: Bestattungsbedarf, religiöse Devotionalien, Friedhofs- und Grabmalartikel. Darum ist Leopold Saul auch ein bisserl aufgeregter als sonst. Lustig, meint er, sei es deshalb, weil "das für die Händler alltägliches Geschäft ist - und die Kundschaft ist auch äußerst fachkundig". Darum komme keinerlei Traueratmosphäre auf. Ganz im Gegenteil. Die noch bis einschließlich Samstag, von 10 bis 17 Uhr, im St. Pöltener VAZ stattfindende Kaufausstellung mit dem Hang zum Jenseitigen sei so etwas wie das Zusammentreffen einer "großen Familie". Der Österreicher pflegt sein ambivalentes Verhältnis zum Sensenmann eben gern in vertrauter Umgebung. Die "Highlights" "Schau'n S', das ist einer unserer Highlights", sagt Direktor Saul und deutet auf den Stand eines südafrikanischen Händlers: Plastikgrabsteine. Die Innovation schlechthin. Weil innen hohl. Saul erklärt: "Die füllt man von unten mit Beton auf." Direkt am Ort der ewigen Ruhe. Es soll den mühsamen Transport der schweren Steinkolosse ersparen. Die Münzgießkannen können da nicht ganz mithalten, obwohl sie nach dem praktischen Einkaufswagerlprinzip funktionieren: Fünfer oder Zehner reinstecken, abziehen - und Wasser marsch. "Aber eine super Sache für jeden Friedhof", freut sich Leopold Saul. Inzwischen hat der kleine freundliche Herr aus Belgien die x-te seidene Kranzschleife ausgedruckt. Auch so eine "absolute Neuheit": Text in den PC eingeben, auf "Print" klicken, und der eigens dafür entwickelte Apparat "spuckt" den letzten Abschiedsgruß an den Verblichenen in jeder gewünschten Form aus. "Zehn Zentimeter in einer Sekunde", zeigt sich der Mann von der Geschwindigkeit seines Produktes begeistert. VAZ-Direktor Leopold Saul bestaunt einstweilen die bunt leuchtenden Kreuze am Stand nebenan, fragt sich, wo denn die Dame von der Internetplattform www.begraebnis.at geblieben sein könnte. Und denkt bereits an seine nächste Messe: die Erotica. (Andreas Tröscher/ DER STANDARD Print-Ausgabe 30. März 2001)