München - Zum "fulminanten Debakel seiner Truppe in Wien" sei Jörg Haider nach drei Tagen Pause nicht viel eingefallen, kommentiert die "Süddeutsche Zeitung" die FPÖ-Reaktionen auf das schlechte Abschneiden bei den Wien-Wahlen. "Die Wahl des wichtigsten Landtags in Österreich hat selbst den seltsam kleinlaut werden lassen, dem die Legende andichtet, Millionen von Schilling für ein amerikanisches Rednertraining ausgegeben zu haben." "Am Mittwoch erst trat der Tribun blass vor die Öffentlichkeit, und auch seine Rede blieb blass: 'Politik mit Herz' müsse man künftig machen. Ach: Wie herzlos war denn die Politik der FPÖ, dass mehr als ein Viertel ihrer Wiener Wähler von ihr abgefallen sind? Die FPÖ müsse sich wieder mit einer Politik 'des Wollens für die Wähler' zurückmelden, sonst sei sie nicht wert, gewählt zu werden." "Im Grunde, so scheint es, verachtet Haider diese Partei, die sich auf seinen Wink gewöhnlich vor ihm in Staub wirft. Und er verachtet sie besonders in Augenblick der Schwäche. Dabei ist es seine Schwäche gewesen: Seine fatale Lust, den antisemitischen Gefühlssumpf aufzurühren, den zwar manche Anhänger mit innerem Johlen goutierten, der aber seine Gegner zu letzten Anstrengungen anfeuerte, ihm und den Seinen endlich eine entscheidende Niederlage beizubringen." Das von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer angekündigte "große Köpferollen blieb vorerst aus, weil die FPÖ kaum mehr Köpfe hat und sich nicht darauf einigen kann, welche man als Sündenböcke noch entbehren könnte". Spitzenkandidatin Helene Partik-Pable, die "geschworen hatte, vom Nationalrat in die Stadtpolitik zu wechseln, behält jetzt doch lieber ihren Sitz im Bundesparlament, statt die harte Oppositionsbank im Rathaus zu drücken. Das sei kein Bruch eines Wahlversprechens, sondern nur die 'logische Folge' einer Niederlage, die so niemand habe voraussehen können, sagt Parik-Pable". "Ende des Machtrausches? Die stille Hoffnung der gebeutelten FPÖ liegt auf dem zuverlässigen Machtinstinkt der Sozialdemokraten: Bei deren Hang zur totalen Machtausübung, wenn sie nur können (und sie können mit ihrer absoluten Mehrheit in Wien), kämen wenigsten für die FPÖ in der Stadt die seligen Zeiten der Totalopposition wieder". (APA)