Berlin - Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat den Kosovo-Krieg der NATO erneut gerechtfertigt. "Ich war jahrelang vorher nicht Interventionist", sagte Fischer am Freitag vor dem Bundestag in Berlin. Doch es habe kein anderes Mittel mehr gegeben. Der PDS, die die Debatte über die "Kriegsbilanz" gefordert hatte, warf Fischer vor, sie verwechsle Täter mit Opfern. Nicht durch die NATO habe das Morden und die Vertreibung begonnen. "Der Krieg begann früher", sagte Fischer auf den früheren jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic verweisend. "Die Entscheidung über Krieg und Frieden ist die schwerste Entscheidung", sagte Fischer. Diese sei auch immer wieder zu überprüfen. Die entscheidende Frage sei doch, wogegen die NATO damals gekämpft hatte. Es sei gegen Gewalt gekämpft worden und für Frieden. "Wir werden selbstverständlich keinen Groß-Nationalismus akzeptieren", sagte er. Das gelte auch für Albanien, betonte der deutsche Außenminister im Zusammenhang mit der Krise in Mazedonien. Es sei langfristiges Engagement notwendig. "Was wir wollen, ist die gesamte Region an Europa heranzuführen." Deutsche Friedensforscher haben in einem Schreiben an den Bundestag kritisiert, dass neben der "omnipotenten" NATO zivile internationale Akteure wie die Balkan-Kontaktgruppe oder die OSZE im Kosovo-Konflikt keinen politischen Spielraum für eigenständige Aktivitäten hatten. Deutschland habe nicht die richtigen Lehren aus dem Krieg vor zwei Jahren gezogen. "Nur eine selbstgerechte Betrachtung erlaubt, die Mitverantwortung der Staatengemeinschaft für die gegenwärtige Misere zu übersehen." (APA/dpa)