Naturgemäß zieht’s den urlaubenden Menschen im Sommer in den Süden. Doch warum eigentlich? Gerade dann ist es dort ungemütlich, weil für Mitteleuropäer viel zu heiß. Im Norden hingegen: Tage ohne Ende, angenehme Temperaturen, Natur pur soweit man schauen kann. Auch Meer und Strand gibt es dort, zum Reiten überaus geeignet und angenehm. Das hat sich auch unter Reitersleuten herumgesprochen, "im Sommer wird gerne auf die kühleren Länder ausgewichen, Finnland und Schweden sind hier sehr beliebt" (Karl Heinz Breuer/Das Urlaubspferd). Und natürlich Island, ein klassisches Land für Reiterferien – schon allein der Pferde wegen. Island Alle drei großen Veranstalter bieten Island-Reiterreisen an, Pegasus und Pferd & Reiter sind mit jeweils neun unterschiedlichen Programmen dabei, Das Urlaubspferd hat zwei Island-Reisen im Angebot. Exemplarisch sei hier je eine Reise vorgestellt, das komplette Angebot kann man in den jeweiligen Veranstalter-Katalogen studieren (Adressen und Kontakte siehe unten). See Hóp & Hochland. Dieser Trail, neu im Angebot von Pegasus, ist ein zwölftägiger Rundritt, bei dem der gezeitenabhängige See Hóp überquert wird, wobei einige Kilometer durchs Wasser geritten wird – ein unvergeßliches Erlebnis. Am achten Tag unternehmen Sie eine Exkursion über die unbewohnte Hochebene Arnarvatnsheidi, wo Sie eine großartige Aussicht auf die Gletscher haben, am großen See Arnarvatn vorbei. Zur Entspannung versenken Sie sich abends in den "Hot Pots" im natürlich-heißen Thermalwasser. Die historische Kjölur-Tour verläuft auf einem alten Handelsweg, der auch zum Althing in Thingvellir, dem ersten Parlament (seit 930 in Betrieb) in Europa, führte. Höhepunkte dieser Tour sind die Flußquerungen und der Besuch beim Gullfoss – dem "goldenen Wasserfall", der als einer der schönsten Europas gilt. Am Rückweg, jetzt schon ohne Pferd, werden Geysire besucht und der aktive Vulkan Strokkur. Ein weiterer Abstecher führt nach Thingvellir, wo in früheren Zeiten die Parlamenstversammlungen abgehalten wurden. (Das Urlaubspferd) Egilsstadir-Trail. Diese Tour führt ins Hochland im Osten Islands, zum Nordrand des größten Gletschers Europas, dem Vatnajökull. Besonders eindrucksvoll ist die Geltscherspalte Hafrahvammagljúfur, ein Wunder der Natur, das am dritten Tag der siebentägigen Tour besucht wird. Am fünften Tag wird der Berg Snæfell – zu deutsch Schneeberg – erreicht, von dort geht es mit Jeeps zum Gletscher Vatnajökull weiter. Am sechsten Tag wird der Weg rund um den Schneeberg fortgesetzt, Rentierherden und Kurzschnabelgänse laden unterwegs zu Tierbeobachtungen ein. Am siebten Tag geht’s an Wasserfällen vorbei hinunter ins Nordtal, zum Ende der Tour. (Pferd & Reiter) Dänemark Am südlichsten Zipfel Dänemarks gelegen, etwas nördlich der bekannten Insel Sylt, liegt die Insel Rømø. Das Besondere an Rømø: Sie besteht zur Hälfte aus Sandstrand, der bis zu 350 m breit ist und so fest, daß er mit dem Auto befahren werden kann. Das müssen Sie aber nicht, vielmehr können Sie dort auf gut gerittenen Islandpferden Galoppieren und Tölten nach Herzenslust. Bei Ebbe sind auch Ritte im Watt möglich. Da die Insel durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist, können Sie auch Ihr eigenes Pferd ohne weiteres mit in den Urlaub nehmen. Besonders für Pferde mit Atemwegserkrankungen empfiehlt sich eine Luftkur an der Nordsee. Untergebracht wird das urlaubende Pferd auf einem eigenen Weidestück oder in einer Box mit zeitweiligem Weidegang. Als Vorbereitung auf die Ausritte wird Unterricht im Islandpferde-Reiten angeboten, neben Sternritten und Tagesritten gibt es als besondere Attraktion den Drei-Insel-Ritt, bei dem man neben Rømø auch Mandø und Sylt (mit Fährfahrt) kennenlernt. Strand und Meer – das bedeutet natürlich auch Badevergnügen und mehr: Wattwanderungen, Drachenfliegen, Strandsegeln, Wind- und Strandsurfen, ein kostenlos benutzbares Erlebnisbad und das Fahren mit einem Kite Buggie (kleiner, dreirädriger Wagen, von einem Drachen gezogen) sind zusätzliche Freizeitmöglichkeiten auf Rømø. Zu empfehlen ist dieser Urlaub für ReiterInnen jeden Niveaus, vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen. (Zu buchen über Pferd & Reiter, siehe Kasten unten). Finnland Seen und Sauna sollten Sie mögen, wenn Sie einen Reiturlaub in Finnland planen. Beim Südfinnland-Trail (Pferd & Reiter) erleben Sie fünf Tage lang mit finnischen Pferden – vergleichbar mit Haflingern – die beeindruckende Seenlandschaft Finnlands, majestätische Flüsse, tosende Stromschnellen und die Stille uralter Wälder. Bei den Rasten ist es immer wieder möglich, mit oder ohne Pferd in einem klaren See zu baden – wenn es die Temperaturen zulassen. Im Juni und Juli geht im hohen Norden die Sonne zwar nicht wirklich unter, die durchschnittliche Höchsttemperatur beträgt aber maximal 19 bis 22° C. Richtig warm wird’s einem abends in der Sauna, die nach dem Ritt auch gegen Muskelkater und Verspannungen gute Wirkung tut. Solchermaßen aufgeheizt springt man dann auch gerne in den kühlen, klaren See vor der Saunatür. Durch Lappland, das Land der Rentiere, führt der Urlaubsritt, den Das Urlaubspferd im Programm hat. Von Camp zu Camp zieht der Troß durch unberührte Landschaft, wo sich Bär und Elch gute Mittsommernacht wünschen. Mitternachtssonne und im Winter das Nordlicht (ja, es gibt auch einen Winterritt!) sind die überwältigenden und noch dazu kostenlosen Naturschauspiele, die zur abendlichen Unterhaltung geboten werden – lassen Sie sich verzaubern und berühren. Manchmal kann man die Nordlichter sogar hören, allerdings nur, wenn man sehr feine Ohren hat. Die Eskimos sagen, es seien die Stimmen der Verstorbenen. Auch für die Wanderritte im Land der tausend Seen sollten Sie sattelfest und konditionsstark sein. Die ideale Reiterreise für alle, die Sehnsucht nach Einsamkeit, Weite und unberührter Natur haben. Schweden Wer’s besonders naturbelassen liebt und auch vor Bären keine Angst hat, der ist auf dem Wildmark-Trail durch Schweden richtig. Sieben Tage lang, täglich bis zu fünf Stunden (insgesamt 120 km) im Sattel, erleben Sie hautnah die schwedische Natur nördlich der großen Seen. Geritten wird auf geländesicheren Nordschwedenpferden und schwedischen Fjordpferden, geschlafen wird in Lappen- oder Trekking-Zelten. Dichte, einsame Wälder, klare Seen und Bäche, Berge mit herrlicher Aussicht und viel Wild (Elche, Biber, Rehe, Birk- und Auerhühner) sind die stillen, aber dafür umso eindringlicheren Attraktionen dieses Wanderritts. Zu empfehlen für sattelfeste Naturfreunde, denen Kameradschaft mit Zwei- und Vierbeinern wichtiger ist als ein Fünfsternzimmer mit allem Komfort. (Pferd & Reiter) Eine weitere reizvolle Möglichkeit, Schweden zu Pferd zu erleben, ist ein Abenteuerurlaub im Wildmarkcamp. Als Unterkunft dienen alten Holzfällerhütten, in denen die Mahlzeiten noch auf dem offenen Feuer zubereitet werden – ganz so wie vor 120 Jahren. Vom Camp aus werden Ausritte in die unberührten schwedischen Wälder unternommen – mit Elch- und Rentiergarantie (Bären gibt’s dort auch – aber ohne Garantie). Besonders interessant für Pferdehaar-Allergiker: Geritten wird auch auf American Bashkir Curlie Horses, den Pferden mit dem gelockten Haar, die keine Allergie auslösen. Auch für diesen Reiturlaub sollten Sie sattelfest in allen Grundgangarten sein und naturnahes Leben schätzen. (Das Urlaubspferd) Norwegen Reiten im Land der Fjorde auf Islandpferden ist nach Aussage von Veranstalter Wiggo Wehner (Pferd & Reiter) ein großer Erfolg. Das mag zum einen am beeindruckenden norwegischen Bergland liegen, sicherlich aber auch an den gut ausgebildeten und zuverlässigen Pferden. Und nicht zuletzt an den beiden erfahrenen norwegischen Trail-Führern – Vater und Sohn –, die seit 25 Jahren Reittouren im Grenzgebiet zwischen Norwegen und Schweden organisieren. Zur Auswahl stehen sechs verschiedene Trails, die teilweise durch die Gebiete der Lappen und Samen führen. Der abenteuerlichste Trail trägt den Namen "Zelttour" – die Tour verläuft, wie es das Wetter zuläßt, über die Ziele wird unterwegs entschieden. Dabei werden auch Wege erkundet, auf denen vielleicht seit mehr als 100 Jahren niemand mehr geritten ist. Aber auch die anderen Touren sind aufgrund ihrer Länge und des Geländes keine "Spazierritte" – Sattelfestigkeit, Ausdauer und Bergerfahrung kommen Ihnen hier sicherlich zugute. Wenn Sie jetzt Lust auf mehr Norden bekommen haben, dann bestellen Sie doch einfach die Kataloge der Veranstalter (Adressen siehe Kasten) – und viel Spaß beim Schmökern. Eva Morawetz Der Tip zum Schluß: Reiten lernen für Erwachsene oder: "Wie bringe ich meinen Mann aufs Pferd?" "Die Programme, die wir ,Alternatives Reitenlernen‘ nennen, sind zur Zeit besonders gefragt", bestätigt Wiggo Wehner von Pferd & Reiter. Und Diethart Franz von Pegasus pflichtet ihm bei: "Wir haben erstaunlich viele Väter und Mütter, die reiten lernen wollen, um mit ihren Kindern die Ferien verbringen zu können. Die wollen intensiven und vor allem auch an Erwachsene angepaßten Unterricht – und natürlich auch ein baldiges Erfolgserlebnis wie z. B einen Ausritt. Der Kunde ist in den Ferien auch bereit, für einen Intensivkurs mehr auszugeben, als zu Hause im Reitstall." Neben den Vätern und Müttern des pferdeverliebten Nachwuchses sind es zunehmend auch die Partner von Reiterinnen, die im Urlaub aufs Pferd kommen. Wiggo Wehner zeigt für die diesbezüglichen "Schwachstellen" seiner Geschlechtsgenossen Verständis: "Sie bekommen keinen Mann über 20 in eine Reitschule, wo nur Kinder an den Banden hängen und lästern. Das mögen die ganz einfach nicht. Aber in ein fremdes, fernes Land zu gehen und dort Reiten zu lernen, ohne sich in der Öffentlichkeit zu blamieren – das akzeptieren die Männer." Zunehmend werden daher auch Programme für erwachsene Reitanfänger angeboten, bei denen diese spielerisch in den Sattel kommen und zunächst einmal Spaß an der Sache an sich lernen, bevor es ernst wird im Unterricht. "Sozusagen erst ’mal gut essen, bevor man kochen lernt," so Wiggo Wehner. Man weiß natürlich auch bei Pegasus & Co, daß man nicht in einer Woche reiten lernt. Es geht vielmehr darum, Sattelfestigkeit zu erlangen, Vertrauen zu sich selbst und zum Pferd zu fassen und Spaß am Reiten zu haben. Und ist die Hemmschwelle im Urlaub ersteinmal überwunden, zieht man auch daheim viel eher die Kreise in der Bahn. Man weiß ja jetzt schließlich, wofür man sich das antut – und hat den nächsten Urlaub oft schon geplant. Kontakte, Adressen & Ansprechpartner Das Urlaubspferd – Internationale Reiterreisen Monika und Heinz Breuer, Wiesenstraße 25, D 64331 Weiterstadt, Tel.: 0049-6151/895638, Fax: 0049-6151/893891; e-mail: info@urlaubspferd.de; Internet: www.urlaubspferd.de PEGASUS, Internationale Reiterreisen Diethard Franz, Herrenweg 60, CH 4123 Allschwil (Basel), Tel.: 0041-61/3033103, Fax: 0041-61/3033100; e-mail: pegasus@equitour.com; Internet: www.reiterreisen.com Pferd & Reiter, Internationale Reiterreisen Ingeborg und Wiggo Wehner, Rader Weg 30 a, D-22889 Tangstedt, Tel.: 0049-40/607669-0, Fax: 0049-40/607669-31; e-mail: hallo@pferdreiter.de; Internet: http://www.pferdreiter.de