Eisenstadt - Durch eine "kantigere" Politik will die burgenländische ÖVP in Zukunft von der übrigen Parteienlandschaft abheben. Bei einer zweitägigen Klubklausur im Seewinkel haben die Landtagsmandatare und Regierungsmitglieder die künftigen Arbeitsschwerpunkte der Volkspartei fixiert. Dazu gehören die Einrichtung eines Umweltanwalts, der Landesrechnungshof und die Erweiterung der EU, erklärte Klubomann Franz Glaser heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz am Rande der Klausur in Pamhagen. In der Diskussion über die Aufgaben des Umweltanwalts will die ÖVP einen Kompromissvorschlag einbringen: Dieser soll die Weisungsfreiheit und eine klaren Aufgabendefinition, die die Agenden des Umweltanwalts taxativ aufzählen soll, enthalten. In der zuletzt ebenfalls diskutierten Frage des Betretens fremder Grundstücke trete die Volkspartei dafür ein, dass der Umweltanwalt Grundstücke und Anlagen nur gemeinsam mit der jeweils zuständigen Behörde betreten darf, erklärte Glaser. Auch auf die rasche Einrichtung eines Landesrechnungshofes wolle man drängen: Expertenrat holten sich die VP-Mandatare dabei von Rechnungshofpräsident Franz Fiedler, der im Rahmen der Tagung ein Referat hielt. Der Landesrechnungshof müsse über weitreichende Kompetenzen und über "Vollprofis" als Mitarbeiter verfügen, um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden solle es eine klare Kompetenzabgrenzung zum Bundesrechnungshof geben, so Glaser. Über die EU-Erweiterung werde derzeit "viel geredet, aber wenig informiert und noch weniger konkrete Vorbereitungsarbeit geleistet", bilanzierte ÖVP-Chef LHStv. Franz Steindl. Als Maßnahmen, um die Chancen des Burgenlandes zu wahren, nannte Steindl den Ausbau der grenzüberschreitenden Infrastruktur vor allem bei Bahn und Straße, eine Informationsoffensive des Landes für alle Bevölkerungsgruppen und die Förderung von grenzüberschreitenden Gemeindeinitiativen. Kritik übte Steindl an den bisherigen Ergebnissen der Euregio: Sie sei bis dato ein "Papiertiger" und habe außer 'informellen Treffen' Treffen auf politischer Ebene nichts gebracht. Das "freie Spiel der Kräfte" im Landtag nach dem Ende der engen Zusammenarbeit in der Ära des LH Karl Stix wird in der Volkspartei als "belebendes Element" der Landtagsarbeit gesehen. Künftig will man mehr Profil zeigen: "Unser Motto heißt agieren statt reagieren", beschrieb Klubchef Glaser die künftige Devise der ÖVP-Landtagsriege. Mit Interesse erwarte man bei der ÖVP auch, wie die SPÖ reagieren werde, sollte sich das "freie Spiel der Kräfte" einmal gegen sie wenden. Stärker gefordert werden aber auch die einzelnen Abgeordneten: So sollen die Bereichssprecher aufgewertet und in Arbeitskreisen des öfteren Experten miteinbezogen werden. (APA)