Wien - In der Forderung des freiheitlichen Sozialsprechers Reinhart Gaugg, die "Ambulanzgebühr, so wie sie jetzt geplant ist", nicht einzuführen, ist Ausdruck eines FPÖ-internen Machtkampfes zwischen Jörg Haider und Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Da Gaugg heute unmittelbar nach seiner Äußerung von seinem Klub von der Rednerliste gestrichen worden sei, deute "einiges darauf hin, dass der Stern des Kärntner Landeshauptmannes innerhalb seiner Partei zu sinken beginnt", kommentierte der Gesundheitssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, in einer Aussendung. Bezeichnend für die FPÖ sei allerdings, daß Gaugg erst den "gestrigen Ausritt von Haider" benötigt hat, um das zu begreifen, was die Grünen schon vor einem Jahr festgestellt hätten: "Die Ambulanzgebühren sind unsozial und gehören daher ersatzlos gestrichen". "Man darf neugierig sein, ob Gaugg, der heute brav die Worte seines Kärntner Meisters nachgeplappert hat, auch noch dabei bleibt, wenn Haider wieder etwas anderes einfällt", so Grünewald. Westenthaler weist Gaugg-Vorstöße zurück FP-Klubobmann Peter Westenthaler hat den Vorstoß des freiheitlichen Sozialsprechers Reinhart Gaugg, die Neuregelung der Ambulanzgebühr nicht in der geplanten Form zu beschließen, zurückgewiesen. "Der Grundsatz bleibt aufrecht", meinte Westenthaler am Freitag gegenüber der APA. Über den "Feinschliff" werde noch verhandelt, der Beschluss im Nationalrat werde aber wie geplant kommende Woche über die Bühne gehen. Dies sei in einer Klubsitzung "im Beisein des Herrn Gaugg" beschlossen worden, meinte Westenthaler. Auch am von Gaugg heftig kritisierten Nulldefizit werde festgehalten. Feinschliff ausverhandeln Gaugg sei nun beauftragt worden, gemeinsam mit anderen Abgeordneten, der ÖVP und Sozialminister Herbert Haupt, den "Feinschliff" der Neuregelungen auszuverhandeln, meinte Westenthaler. Dabei soll es seinen Angaben zufolge vor allem um eine genauere gesetzliche Definition der Ausnahmeregelungen gehen. Außerdem soll der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes die Haltbarkeit der Neuregelung in Hinblick auf die von der SPÖ angekündigte Verfassungsklage überprüfen. Ein Abgehen vom Nulldefizit kommt für Westenthaler nicht in Frage. Schließlich werde damit der Freiraum für die geplante "umfassende Reform des Steuerwesens" geschaffen. Von innerparteilichen Konflikten wollte Westenthaler angesichts der Gaugg-Kritik nicht sprechen: "Es gibt weder einen Flügelkampf noch einen Riss", meinte der Klubobmann in Anspielung auf entsprechende Schlagzeilen der vergangenen Tage. Pröll: ÖVP schadlos von FPÖ-Querelen halten Wien (APA) - Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (V) meinte zu den FPÖ-internen Problemen, "wir schauen auf alle Fälle peinlichst genau, dass die ÖVP-Regierungsmannschaft und auch die ÖVP insgesamt schadlos neben diesen Querelen davonkommt". Im Gespräch mit der APA sagte Pröll, angesprochen auf die Forderung des FPÖ-Sozialsprechers Reinhart Gaugg nach einem Abgehen von der geplanten Ambulanzgebühr, "ich bin überzeugt, dass derartige Manöver der FPÖ als ganzes sehr schaden". Das Wahlergebnis in Wien sei "sicherlich auch Effekt von diesen FP-internen Querschüssen". Aber es handle sich um eine "FPÖ-familieninterne Situation". Jedenfalls, was die Regierungsmannschaft der Freiheitlichen betrifft, sieht Pröll "keinen Riss und keine Spannungsfelder, das sagt allerdings noch nichts". Er habe heute den "ganzen Tag mit Regierungsmitgliedern zugebracht". Pröll zeigte sich davon überzeugt, dass "die Regierungsarbeit unter keinen Umständen leidet". Dafür sei auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) zu danken, der "sehr konsequent und vehement auf Fortschritte in der Regierungsarbeit drängt". Dass der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) doch durch weitere umstrittene Aussagen Sand ins Getriebe der Koalition bringen könnte, glaubt Pröll nicht. (APA)