Die Radsaison steht vor der Tür, und damit gewinnt auch die Bundesbahn wieder Bedeutung für die Velocipedisten, denn Streckenfahrten sind - mit wenigen Ausnahmen - nur mithilfe der Bahn möglich. Der Rad-Tramper von Wien zum Neusiedlersee nimmt am 5. Mai den Betrieb auf, ab 19. Mai verkehren die Rad-Tramper nach Passau und in die Wachau. Von Zell am See nach Krimml, dem Ausgangspunkt des beliebten Salzachtal-Radweges, kann man seinen Drahtesel schon ab 29. April befördern lassen, doch ist die Freude begrenzt, denn am 9. Juni wird die Schmalspurbahn eingestellt.

Besonders geschätzt ist der Rad-Tramper nach Passau, denn die Route entlang des Stromes von der Drei-Flüsse-Stadt nach Wien gehört zu den schönsten in ganz Europa. Vernünftigerweise fährt der Fahrradtransporter vom Wiener Franz-Josefs-Bahnhof ab, damit er zumindest bis Tulln in Donaunähe bleibt. Allerdings, der Rad-Tramper bummelt und braucht bis Passau nicht weniger als fünf Stunden und 50 Minuten. Der Eurocity (EC) Joseph Haydn fährt vom Westbahnhof bis Passau in 3:04 Stunden, der ICE Prinz Eugen in 3:03 Stunden.

Mit dem Rad-Tramper verplempert man also fast den ganzen Tag, daher scheint es sinnvoller, die Räder als Reisegepäck nach Passau zu schicken und mit dem Eurocity zum Ausgangspunkt der Tour zu fahren. Doch risikolos ist ein solches Unterfangen nicht!

Der Autor dieser Zeilen tat es, gab am Vormittag des Tages vor der geplanten Tour zwei Räder auf dem Westbahnhof auf und erkundigte sich, ob er mit Sicherheit rechnen könne, diese am nächsten Tag in Passau vorzufinden, was mit Nachdruck bejaht wurde.

Am nächsten Tag aber suchte er die Drahtesel vergeblich. Der Bahnbeamte in der bayerischen Grenzstadt nahm's - im Gegensatz zum Autor - gelassen und meinte, das komme öfters vor. Mit dem nächsten Zug würden die Räder sicherlich eintrudeln.

Auch im nächsten Zug, dem Rad-Tramper, gab es keine Räder, vergeblich suchten auch zwei Deutsche, welche die Donautour schon hinter sich hatten, nach ihren Vehikeln, was den Wahrheitsgehalt der Aussage des Bahnbediensteten eindrucksvoll bestätigte. Auch im übernächsten Zug fand sich keine Spur der Räder.

Zurück in Wien machte sich der Schreiber auf die Suche nach den Rädern, man verwies ihn auf den "Suchdienst", der mitteilte, die zwei Vehikel seien am Westbahnhof gefunden und wieder nach Passau geschickt worden.

Tags darauf kam der Anruf: "Ihre Räder sind wieder da, die der Deutschen auch."

Eine nicht sehr schwierige Recherche ergab, dass die Räder zwar mit dem Euronight zeitgerecht nach Passau transportiert worden waren, sich dort aber niemand fand, der sie ausgeladen hätte.

Überhaupt ist beim Versenden von Rädern als Reisegepäck Vorsicht geboten, wenn man das Fahrzeug an einem Wochenende oder Feiertag abholen möchte. Es gibt zahlreiche Bahnhöfe, die an Wochenenden und Feiertagen geschlossen haben. Dort müsste man bis zum nächsten Werktag warten, um wieder in den Besitz seines Velocipeds zu gelangen.

Welche Bahnhöfe Wochenend- und Feiertagssperre haben, kann bei der Zugauskunft erfragt werden ([TEL] 17 17). Im Kursbuch, ein umfangreiches Kompendium, fehlen jegliche Hinweise dazu. Dort steht nicht einmal, dass es solche Sperren gibt. Wird fortgesetzt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.3./1.4. 2001)