Die Kriegsgefahr in Mazedonien ist trotz intensiver Bemühungen der internationalen Diplomatie nicht gebannt. Zwar haben sich die Rebellen der extremistischen U¸CK aus dem Gebiet um Tetovo im Nordwesten Mazedoniens zurückgezogen, im Streifen zwischen Skopje und der Nordgrenze zum Kosovo leisten sie jedoch weiterhin Widerstand gegen mazedonische Sicherheitskräfte. Der Beschuss des im Kosovo liegenden Grenzdorfs Krivenik am Donnerstag, bei dem zwei Albaner und ein britischer Kameramann getötet und 20 weitere Personen verletzt wurden, hat zudem die Bevölkerung aufgebracht. Noch in derselben Nacht gingen Kosovo-Albaner in Pristina unter U¸CK-Rufen auf die Straße. An die tausend Menschen protestierten Freitag im Grenzort General Jankovic gegen den ungeklärten Angriff. Obwohl eine internationale Untersuchungskommission erst zu bilden ist, war aus den Begleitumständen heraus ziemlich klar, dass nur mazedonische Truppen die Granaten abgefeuert haben konnten. Krivenik liegt nur sechs Kilometer nördlich der Positionen, von denen aus die mazedonischen Truppen die U¸CK-Milizen angriffen. Als die Granaten auf Krivenik fielen, nahm die Kosovo-Friedenstruppe Kfor, die an der Grenze patrouilliert, Verbindung zum mazedonischen Militär auf. Der Beschuss hörte sofort auf. Nun ist gut vorstellbar, dass die U¸CK im grenznahen Kosovo-Territorium Stellungen errichtete und von dort auf die Mazedonier schoss. Trotzdem erklärt das mazedonische Verteidigungsministerium kategorisch, dass die Granaten nicht aus mazedonischen Mörsern stammten. In den maßgeblichen Zeitungen tauchten am Freitag abenteuerliche Gerüchte auf. Der britische Kameramann Kerem Lawton sei auf eine Landmine gefahren, hieß es in Utrinski Vesnik, während der Dnevnik meinte, der Journalist wäre schon seit Tagen gestorben und zwecks Inszenierung einer Provokation einfach dort hingelegt worden. Die OSZE will nun eine Beobachtermission nach Skopje entsenden, der auch der Österreicher Franz Walch angehört. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.3/1.4 2001)