Apropos Gewerbeordnung (siehe Seite 34): Kleine Ergänzung zum Fragenkatalog der "Föhrenberger":

Man wundert sich, wieso das folgende Thema noch nie das Interesse der Oppositionsparteien ins besondere der Grünen erregt hat: Der Taxiverkehr zwischen Wien und dem Flughafen.

Dieser ist bekanntlich auf folgende - möglicherweise weltweit einmalige - Art organisiert: Ein "Wiener" Taxi führt zum Flughafen, lädt den Fahrgast ab und kehrt dann leer in die Stadt zurück. Für diese Leerfahrt wird dem Fahrgast ein Zuschlag von 130 Schilling verrechnet.

In der Gegenrichtung ist es ähnlich: Der Angekommene besteigt ein "Schwechater" Taxi, das nachher ebenfalls leer zurückfährt.

Der Zuschlag für die Leerfahrt ist elegant im Tarif verborgen, der über dem der "Wiener" liegt; für jede Fahrt zwischen Flughafen und Zentrum zahlt man jedenfalls etwa 360 bis 380 Schilling.

Die Begründung für diese Groteske: Wiener Taxis können in Schwechat keine Fahrgäste aufnehmen, denn der Flughafen liegt nicht auf Wiener Stadtgebiet. Wer hätte das gedacht!

Auch andere Flughäfen befinden sich nicht gerade im Stadtzentrum, was aber nirgends zu Leerfahrten und Zuschlägen führt. (In Zürich gab es vor Jahrzehnten für kurze Zeit eine ähnliche Regelung, die aber rasch wieder aufgegeben wurde.)

Obwohl der Flughafen in Niederösterreich liegt, ist er doch unter der Vorwahl von Wien telefonisch zu erreichen und hat auch eine Wiener Postleitzahl. Es bedarf nicht besonders großer Fantasie, sich den eigentlichen Grund für Leerfahrten und Zuschläge auszumalen. Aber bitte - jeder möchte seinen Gewinn steigern.

140.000 leere Kilometer

Gesteigert dürfte sich allerdings auch der Anteil an unnötig in die Luft emittierten Schadstoffen haben. Geht man von nur 500 Fahrten pro Tag aus, so sind das 6.000 Kilometer Leerfahrten pro Tag (!) oder - bei 240 Werktagen - 144.000 Kilometer pro Jahr. Vermutlich handelt es sich aber um weit höhere Zahlen.

Das Ärgerliche daran ist, dass diese Fahrten ehrlicherweise nur mit der Gewinnmaximierung vor allem der Schwechater Taxis begründet werden können. Kein Protest von den Grünen?

Protestieren müsste auch der Flughafen. Bei angenommenen 500 Fahrten pro Tag summieren sich die unsinnigen Zuschläge auf über 15 Millionen Schilling pro Jahr. Ein Großteil dieser Summe flösse möglicherweise in die Shops und Restaurants des Flughafens. Und: Ein ständiger Durchfluss an Taxis bedürfte kleinerer Stellflächen als das jetzige System.

Ich wette allerdings zehn unsinnige Zuschläge, dass die Organisation des Taxiwesens zwischen Wien und Flughafen ruckartig in die weltweit übliche Normalität kippen wird - an jenem Tag, an dem effiziente Nah und Fern(!)verkehrsanbindungen per Schiene zur Verfügung stehen werden. Man nennt dies Marktmechanismen.
Peter Planyavsky, Domorganist zu St. Stephan in Wien