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Gerade Großunternehmen wie der Telekom-Austria-Gruppe bietet das Internet viele Möglichkeiten: Globale Reichweite, jeden Tag 24-stündige Verfügbarkeit und der Vorteil, die gesamte Produktpalette übersichtlich darzustellen. Seit 4. Dezember 2000 betreibt der Konzern daher die Plattform shop.jet2web.at mit der Zielgruppe Privatkunden und Kleinstunternehmer. Eine Shoppingplattform aufzubauen ist das eine. Das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, um entsprechende Umsätze damit zu generieren ist das andere. Hier hat die Telekom einige Startvorteile: Jeder kennt sie und bis vor einigen Jahren war so gut wie jeder Haushalt und jedes Büro mit ihr verbunden. Und sie hat die Möglichkeit, den Kunden ihres E-Shops drei verschiedene Zahlungsvarianten anzubieten: per Kreditkarte, was manche Konsumenten für zu unsicher erachten. Per Nachnahme, wobei der Händler hier das volle Ausfallsrisiko trägt. Oder - und das ist für viele die beste Zahlungsart - über die Telefonrechnung. "Die Österreicher sind kein Volk der Kreditkartenzahler", bestätigt der Leiter des Jet2Web-Onlineshops, Josef Bruckschlögl. Die Bezahlung über die Festnetzrechnung kommt weitaus besser an. "Rund 65 Prozent unserer Kunden nehmen sie in Anspruch." Der für sie bekannte Zahlungsvorgang gibt ihnen Sicherheit und der Betrag wird erst abgebucht, wenn das Produkt ausgeliefert ist. Zahlungsausfälle gibt es für die Telekom nur in Einzelfällen - "das spielt sich im Promillebereich ab" - bei besonders großen oder aus der Norm fallenden Bestellungen werden die Käufer ohnehin auf ihre Zahlungsbereitschaft untersucht. "Wenn jemand über seine Telekomrechnung 15 Mobiltelefone bezahlen will, werden wir darauf aufmerksam und sehen in der Warenkreditevidenz-Datenbank nach, ob der Besteller eventuell schon einmal durch nicht bezahlte Rechnungen aufgefallen ist." Firmenintern ist diese Methode mit einigem Aufwand verbunden. Als Shopbetreiber wäre Bruckschlögl die Kreditkartenbezahlung daher lieber. "Da liegen Aufwand und Kreditrisiko beim Kartenanbieter." Er geht aber nicht davon aus, dass die Kunden in naher Zukunft freiwillig auf Kreditkartenzahlung umsteigen werden. "Dafür sind die Berührungsängste zu groß." Einen anderen Weg hat die Entwicklungsabteilung des Mobilfunkkonzerns Ericsson bei der Suche nach alternativen Zahlungsmethoden eingeschlagen. Ausgangspunkt ihrer Überlegung ist die Rolle, die das Handy mittlerweile im Leben der Menschen spielt: "Bis vor kurzem hatten die Menschen einen Gegenstand immer bei sich: die Geldbörse mit Münzen, Scheinen, Kredit- und anderen Karten. Nun ist für viele ein zweiter, auch sehr persönlicher Gegenstand hinzugekommen, das Mobiltelefon. Dieses setzen wir als elektronische Geldbörse ein", sagt Christian Hauer. Jalda heißt die Technologie ( ericsson.at ), die sowohl beim E-Shopping am PC als auch bei mobilen Transaktionen mit einem internetfähigen Handy verwendet werden kann. Die Funktionsweise: Jemand kauft im WWW, bei der Bezahlung entscheidet er sich für Jalda und bekommt darauf die Bestellung per SMS auf sein Handy - auch wenn er vor dem Computer sitzt. Will er sie akzeptieren, bestätigt er den Kauf mit einem speziellen PIN-Code, die Bestellung erfolgt und der Betrag wird anschließend abgebucht - entweder von seinem Konto oder über seine Telefonrechnung. Auch bei dieser Methode werden keine Kreditkartendaten über das Web geschickt. Puncto Sicherheit gilt für das Mobiltelefon das Gleiche wie für eine Geldbörse: "Auf die muss ich auch gut aufpassen und darf sie nicht aus der Hand geben", sagt Hauer. (Wolfgang Fasching, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 26. 4. 2001)