Ein Traum wurde Realität. Die Idee einer lesbischen Stadtführerin wurde umgesetzt – "die lesbischte Versuchung seit es Guides gibt", so die Herausgeberinnen Verena Fabris, Gabi Horak, Beate Soltész im Editorial. "Auf 256 reich illustrierten Seiten finden sich darin liebevolle Beschreibungen und nützliche Informationen zu Geschichte und Gegenwart des lesbischen Wien, vervollständigt durch ein topaktuelles (...) Adressenregister", so wird die Stadtverführerin in den neuen an.schlägen beschrieben. "Wo geht lesbe auf Aufriß?" Das Liebevolle ist sogleich erkennbar. So schreibt Vanessa Wieser von der AUF-Redaktion sehr persönlich von ihrer "kleinen Welt" und schildert, wo sie in Wien gern hingeht und was lesbe da so macht. Die Schriftstellerin Karin Rick geht auf lesbischen Lifestyle ein und an.schläge-Redakteurin Helga Pankratz nimmt die Leserin auf eine lesbische Lokaltour mit. In locker aneinandergereihten Kapiteln werden zahlreiche Themen aufgegriffen. So geht es dabei nicht nur um die Orte, die lesbe gern aufsucht - Stichwort: "wo geht lesbe auf Aufriß?" – sondern auch um die Geschichte von Lesben. Kriminalisierung von Homosexualität Die Politologin Gudrun Hauer spürt die Geschichte der Kriminalisierung von Homosexualität auf und thematisiert Lesbisch-Sein im Nationalsozialismus. Die Historikerin Hanna Hacker reflektiert über Lesbenliteratur von 1900 bis 1933 und AUF-Mitherausgeberin Eva Geber beschreibt in einer Frauenstadt(ver)führung das Leben von Lesben in Wien. Mit Lesbenpolitik in Österreich befaßt sich Nationalratsabgeordnete Ulrike Lunacek und an.schläge-Redakteurin Verena Fabris sammelt Erinnerung von Aktivistinnen an die Anfänge der Lesbenbewegung in Wien. Das vielfältige Spektrum der behandelten Themen wird mit zahlreichen Fotos untermalt. Auch Film, Kunst, Sport, Wissenschaft, Antisemitismus und Rassismus werden in eigenen Kapiteln thematisiert. Geschichtliches Aufarbeiten Trotz der Vielfalt ist es ein Buch über eine kleine Welt. Obwohl die persönlichen Beschreibungen auflockern, wiederholen sich die Orte, die lesbe bewirbt. Der Ratschläge-Bereich des Buches ist ein "sich-im-Kreis-Drehen": aha, kenn ich schon. Der Wert des Buches liegt eher im geschichtlichen Aufarbeiten einer oft unbekannten Geschichte, eines Rückblickes und Bilanzziehens. So lobenswert und erfreulich überhaupt die Existenz einer lesbischen Stadtverführerin ist, so schade ist es, dass die Tipps und Ratschläge unter historischen Rückblicken gemischt wurden und keine Trennung stattfand. Ein Buch für die Insiderin? Einerseits vermittelt die Guide den Anspruch für die Insiderin gemacht zu sein, die alte Fotos von Freundinnen anschauen will oder wissen möchte, ob es Orte gibt, die sie nicht schon kannte. Andererseits scheint das Buch aber auch für die nicht in Wien lebende Lesbe gemacht, wie ein überraschendes Kapitel über das Wienerische zeigt. Abgesehen von dieser Verwirrung ist die Stadtverführerin jedoch ein interessantes Projekt und sehr übersichtlich und liebevoll gestaltet. Somit sind wir auf die zweite lesbische Versuchung gespannt!