Brüssel - Die Erweiterungsverhandlungen zwischen der EU und der ersten Gruppe der Beitrittskandidaten machten am Freitag in Brüssel weitere Fortschritte. Tschechien konnte drei Kapitel abhaken und damit 18 von 30 Themenkreisen vorläufig außer Streit stellen. Ungarn konnte sich zu zwei Themen mit der EU einigen und kommt nun auf 19 abgeschlossene Kapitel, Polen schaffte heute eines und damit in Summe 16, gleich viele wie die Slowakei, die erst zwei Jahre später ihre EU-Verhandlungen aufnahm. Estland brachte ein Kapitel zum Abschluss und hält nun bei 19. Tschechien einigte sich überraschend über das Kapitel zum freien Kapitalverkehr, in dem auch der Grundverkauf geregelt wird. Sowohl die fünfjährige Übergangsfrist für den Kauf von Zweitwohnungen als auch die siebenjährige Frist für den Kauf von landwirtschaftlichem Boden seien akzeptabel, so Chefverhandler Pavel Telicka. Usprünglich hatte Tschechien zehn Jahre gefordert. Außerdem wurde das Kapitel Umwelt abgehakt, wobei laut Telicka keine von Tschechien geforderte Übergangsfrist von der EU abgelehnt worden sei. Wie viele Übergangsfristen es nun gebe sei aber schwer zu sagen. Als drittes wurde ohne Probleme das Kapitel Arbeit und Soziales ausgehandelt. Frist bis 2015 Ungarn konnte am Freitag die Bereiche Umwelt und Zollunion abschließen. Es seien Übergangsfristen für Verpackungsmüll, Abwasser, Verbrennung von Sondermüll und große Kraftwerke vereinbart worden, so Chefverhandler Endre Juhasz. Die längste Frist laufe bis 2015. Hingegen gab es zum freien Kapitalverkehr noch keine Einigung. Ungarn könnte zwar eine maximal siebenjährige Frist für den Erwerb von landwirtschaftlichen Flächen akzeptieren, wolle diese Ausnahme aber auf jede Art des Bodenkaufes ausdehnen. Polen wiederum schloss heute nur die Verhandlungen zum Kapitel Arbeit und Soziales ab. Chefverhandler Jan Kulakowski betonte, dass man nicht die Zahl der abgeschlossenen Kapitel zählen, sondern auf die Qualität der Verhandlungen schauen solle. Auch Estland hat heute mit dem Umweltbereich ein Kapitel abhaken können. Vier der geforderten neun Übergangsfristen seien akzeptiert worden, so Chefverhandler Alar Streimann am Nachmittag. Bei den anderen habe es aber Zusagen der EU gegeben, die Übergangsfristen unnötig machten. Die EU-Position zum freien Zuzug von Arbeitern biete zwar eine gewisse Flexibilität, so Streimann. Es gebe aber keine Garantien, dass diese Flexibilität auch in der Praxis angewandt werde und wann die EU bereit sei, Erleichterungen beim Zugang zum Arbeitsmarkt zu gewähren. Estland, das EU-Bürgern schon jetzt den Zugang zum nationalen Arbeitsmarkt erlaube, sei vorrangig an der vollen liberalisierung interessiert. Den eigenen Arbeitsmarkt mit nationalen Maßnahmen zu schützen wäre ein Schritt zurück und sicher nicht die erste Option, so Streimann. Estland wird seine Position zu diesem Kapitel erst vorlegen. (APA)