Wie ein Trainer ein disparates Häufchen Außenseiter nach und nach aufliest, dann zu einem Team formt, und sich daraus eine Siegesserie scheinbar Aussichtsloser entwickelt, das haben wir schon zigmal gesehen. Dass dieses Sportfilmgenre so hoffnunglos ausgeleiert scheint, liegt wohl daran, dass es in der Regel um Baseball geht und ein lauwarmer Aufguss des "American Dream" kredenzt wird. Wie es auch gehen kann, demonstriert aufs Vorbildlichste der thailändische Film "The Iron Ladies". Wie sich eine Gruppe Homosexueller, Transvestiten und Transsexueller unter einer drahtigen lesbischen Trainerin zu einem Volleyballteam zusammenfinden und in der Folge bis ins nationale Finale vorstoßen: Das folgt zwar haarscharf den Handlungssträngen, Wendungen und dramatischen Zuspitzungen aller anderen gesehenen Teamsportfilme, entwickelt durch gelungenes Casting und Detailarbeit bei den Substories um die einzelnen Charaktere großen Charme. Dass es in Thailand tatsächlich so ein Volleyballteam gab und die zu Medienstars aufstiegen, sei erwähnt. Für den Film erfolgte nämlich eine intensive Dramatisierung - mit der Folge, dass im Team jede Gender-Nuance nicht nur paritätisch vertreten ist, sondern dass diese Nuancen auch überplakativ differenziert werden: So erscheint die Drag Queen sehr, sehr kreischend, der noch nicht geoutete Heimliche sehr, sehr still, und der/die umoperiert Transsexuelle von ballerinahafter Schönheit. Oder eine Schlüsselepisode: Um ihren Teamkapitän - einen Hetero, der aus rein sportlichem Ehrgeiz im Team ist - zu besänftigen, verzichtet die davor theatralisch aufgetretene Truppe auf Make-up im Match. Prompt reißt die Siegesserie ab und kehrt erst mit wieder aufgetragenem Make-up zurück. Diese Überzeichnungen sind jedoch nicht bloß selbstzweckhaft, sondern dienen einer Skizzierung einer Gesellschaft und ihrer Rollenverteilungen. Es ist dies sicherlich in erster Linie die thailändische Gesellschaft, die aus westlicher Sicht femininere Ideale insgesamt, sowie ausgeprägte und respektierte Traditionen hinsichtlich Travestie hochhält. So ließe sich die Subhandlung eines Mannes, der sich zwischen der geliebten transsexuellen Tänzerin und der Verlobten um der Konventionen willen nicht entscheiden kann, zwar wohl auch in andere Kulturkreise übersetzen, doch nicht mit vergleichbarer Beiläufigkeit. Einiges vom Besten an "The Iron Ladies" hat hingegen universelle Gültigkeit. Nur als ein Beispiel die Szene, in der sich die Trainerin ihren immer mehr maulenden Hetero-Kapitän zur Seite nimmt und fragt: "Warum hasst du sie eigentlich so? Weil sie keine Männer sind oder weil sie keine Frauen sind?"
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