Linz - Die Pleite der Firmengruppe Steiner könnte internationalen Anlegern Verluste von rund 2,6 Mrd. S (189 Mio. Euro) bescheren, geht aus einem vorläufigen Finanzüberblick hervor, den der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) zusammengestellt hat.

Die Gesamtverbindlichkeiten dürften sich, so Otto Zotter vom KSV, um die vier Mrd. S bewegen. Eine Mrd. S entfalle auf herkömmliche Gläubigerforderungen (Lieferanten, Dienstnehmer, Banken), weitere 400 Mio. S seien Forderungen von Aktionären, die dem Unternehmen mit Darlehen unter die Arme gegriffen haben, die restlichen 2,6 Mrd. S seien Forderungen von internationalen Investoren (über den Zwei-Drittel-Eigentümer von Steiner, den englischen Investmentfonds Duke Street Capital). Dabei dürften, so Zotter, den Investoren Gewinne in der Höhe von 30 Prozent zugesagt worden sein, "es gibt aber nach unseren Unterlagen keinen Anhaltspunkt dafür, dass dieses Geld tatsächlich verdient hätte werden können".

Die Aktiva der Steiner-Gruppe beziffert der KSV immerhin mit zwei Mrd. S. Allerdings seien diese Mittel in den Anlagen und Betrieben gebunden, "die Liquidität fehlt derzeit völlig", so Zotter, "daher sieht es auch für den Ausgleich nicht gut aus". Nur durch den Verkauf von Firmenanteilen und die Hereinnahme von Beteiligungen sei die Liquiditätssituation zu verbessern, und nur auf diesem Weg sei die angestrebte 40-prozentige Ausgleichsquote zu finanzieren, so der KSV.

Auch gegen Seniorchef Leopold Steiner wurde vom Landesgericht Wels ein internationaler Haftbefehl erlassen, da - wie bei seinem in U-Haft befindlichen Sohn und zwei weiteren Mitarbeitern - der Verdacht der betrügerischen Krida, des schweren Betruges und der Untreue bestehe. Der Anwalt von Leopold Steiner wies diese Vorwürfe im Namen seines Mandanten zurück. (APA/gb, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 6. 6. 2001)