Jerusalem - An dem Gespräch des CIA-Chefs George Tenet in Jerusalem mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon nahmen auch die beiden Chefs der israelischen Geheimdienste teil. Wie Sharons Büro verlautete, fordert Israel von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat die unverzügliche Verhaftung von 34 mutmaßlichen Extremisten, die an der Planung und Ausführung von Terroranschlägen gegen Israel beteiligt gewesen sein sollen. Tenet wird nach palästinensischen Angaben an diesem Freitag voraussichtlich in Kairo mit den Geheimdienstchefs beider Seiten über die Wiederaufnahme der vor acht Monaten unterbrochenen Kooperation beider Seiten bei der Terrorbekämpfung sprechen. Die palästinensischen Geheimdienstchefs Mohammed Dachlan und Jibril Radjub sagten ihre Teilnahme zu. USA will sich stärker engagieren Mit seiner Nahost-Reise will Tenet zu einer Stabilisierung des brüchigen Waffenstillstandes zwischen Israelis und Palästinensern beitragen. Er war bereits in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak zusammengetroffen und danach nach Jordanien weitergereist. Zuvor hatte Arafats Berater Nabil Aub Rudeinad die USA aufgefordert, sich stärker im Nahost-Konflikt zu engagieren. Washington müsse eine "wirksamere Rolle" spielen. Der israelische Regierungsberater Dori Gold betonte unterdessen, Tenet solle mit Arafat die genauen Bedingungen des von Arafat verkündeten Waffenstillstands klären. Bisher sei es Arafat nicht gelungen, die am Samstag ausgerufene vollständige Waffenruhe durchzusetzen. Arafat machte die Fortsetzung der Waffenruhe von der Unterstützung der eigenen Bevölkerung abhängig. Außerdem müsse Israel den so genannten Mitchell-Plan voll akzeptieren, der unter anderem einen kompletten Baustopp für jüdische Siedlungen auf Palästinensergebiet vorsieht. Arafat beklagte sich in einem Gespräch mit dem linksgerichteten israelischen Politiker Yossi Beilion darüber, dass Israel die Sperre der besetzten Gebiete für Lebensmittel- und Treibstofftransporte bisher noch nicht aufgehoben habe. Angesichts einer unsicheren Waffenruhe im Nahen Osten setzen Israelis und Palästinenser auf neue Vermittlungsbemühungen der USA. Unterdessen heizte Israels Ministerpräsident Ariel Sharon mit scharfen Angriffen auf den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat die Spannungen an. Er nannte Arafat in einem Interview des russischen Fernsehsenders NTW einen Mörder und pathologischen Lügner. Tenet ist von US-Präsident George W. Bush in den Nahen Osten geschickt worden, um die vor acht Monaten abgebrochene Zusammenarbeit Israels und der Palästinenser bei der Terrorbekämpfung wieder in Gang zu bringen. Tenet ist in der Region kein Unbekannter. Seit Jahren nimmt seine "Central Intelligence Agency" eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung der Friedensabkommen von Oslo ein. Spätestens seit der Unterzeichnung des so genannten Wye-Plantation Memorandums im Oktober 1998 haben US-Geheimdienstler stillschweigend die Rolle des "Aufpassers" im Friedensprozess übernommen. CIA pflegt enge Beziehungen zu beiden Seiten Tenets Geheimdienst hat seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Israel und den Palästinensern. Die Kooperation mit dem israelischen Mossad reicht bis 1951 zurück. Beide Organisationen arbeiten seit Mitte der 60-er Jahre intensiv bei der Observation der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO zusammen. Doch schon zu Beginn der 70-er Jahre nahm der CIA auch Kontakte zu PLO-Chef Yasser Arafat auf. Dauerhafte geheime Informationskanäle zwischen CIA und den Palästinensern existieren möglicherweise schon seit 1976. Der US- Geheimdienst, so der US-Experte Dean Klovens, habe unter anderem dafür gesorgt, dass Arafat und seine PLO-Kämpfer nach Israels Invasion Libanons ins tunesische Exil flüchten konnten. Der CIA-Chef war zuletzt im Oktober vergangenen Jahres zu Verhandlungen in die Konfliktregion gereist, nachdem die Palästinenser ihre Intifada von Neuem aufgenommen hatten. Dabei kamen seit Ende September 484 Palästinenser und 108 Israelis ums Leben. (APA/Reuters)