Wien - Auf die Schnelle geht kaum etwas. "Wenn auf der Tangente Zigtausende Fahrzeuge mehr als konzipiert fahren, kann man die Situation nicht kurzfristig entschärfen", gab sich der Wiener Planungsstadtrat Rudolf Schicker (SP) am Mittwoch realistisch.

Nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Blechdächern wäre schnell umsetzbar: Schicker überlegt, die Tangente in den Früh- und Abendspitzen für den Schwerverkehr über 7,5 Tonnen zu sperren. Aber auch das muss erst mit dem Verkehrsministerium verhandelt werden. Und mit den betroffenen Bezirken. Denn Voraussetzung ist, dass durch diese Maßnahme die angrenzenden Bezirke nicht von den Lastern überrollt werden.

Mittelfristig ist schon mehr möglich: Binnen zwei bis drei Jahren soll die A23 zwischen der Flughafenautobahn A4 und dem Knoten Gürtel auf jeweils vier Fahrspuren erweitert werden. Bei der Kreuzung der beiden Autobahnen am Knoten Donaukanal soll die Einmündung entschärft werden. Bis die Ausfahrt Simmering geöffnet werden kann, wird es allerdings noch etwa fünf Jahre dauern: Erst sind Behördenverfahren und eine verkürzte Umweltverträglichkeitsprüfung abzuwickeln.

Umfahrung in Planung

Bis die Südrandstraße B301 fertiggestellt werden kann, werden ebenfalls noch fünf Jahre vergehen - Schicker hofft, dass nach 15 Jahren Planung nun diesen September Spaten gestochen wird. Und: Er will die 6. Donauquerung, den Lobautunnel und die Nordostumfahrung weiter in der Planung belassen. "Nicht um die derzeit laufende Strategische Umweltprüfung für den 21. und 22. Bezirk zu untergraben", betont der Planungsstadtrat. "Sondern damit wir nicht wieder bei Null anfangen müssen, falls eine positive Entscheidung fällt."

Was den Ausbau des öffentlichen Verkehrs betrifft, will Schicker "den Bund in die Pflicht nehmen". Wenn die ÖBB sich verpflichten, Widmungsgewinne aus der Verwertung ihrer Areale für den Bau des Bahnhofs Wien zu verwenden, "sind wir bereit, die entsprechenden Widmungen rasch zu gewähren".

Kanal-Koordinator

Bei den "innerstädtischen" Vorhaben Schickers findet sich auch ein "50-Orte-Programm" - und einer dieser Orte ist der Wiener Donaukanal. Für die weitere Entwicklung wird nun der Stadtplaner Klaus Steiner die Koordination übernehmen. Es gebe einige "ausbaufähige Orte" am Kanal, erklärte Steiner am Mittwoch. Etwa die Kreuzung U6/U4, wo "mit dem Zaha Hadid-Bau vor dem Hundertwasser-Schornstein der spannendste Ort von Wien" entstehen wird. Auch der leerstehende frühere U4-Tunnel in der Spittelau soll schon bald für Jugendkultur genutzt werden können. Im Umfeld sei auch noch eine weitere bauliche Entwicklung möglich, so Steiner. Unten am Wasser soll die Promenade für "Freizeit und wassernahe Einrichtungen" genutzt werden. Unter Umständen könne die gesamte Uferlänge für Gastronomie und Wellness genutzt werden. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 7. 6. 2001)