Die ÖVP, die sich gerne als Wirtschaftspartei titulieren lässt, hat mit ihrem prominentesten Aushängeschild derzeit wohl wenig Freude: Der Vorstandssprecher der staatlichen Beteiligungsholding ÖIAG, Johannes Ditz, hat es geschafft, sich bei nahezu allen einflussreichen Wirtschaftsbossen unbeliebt zu machen. Diese vermissen bei ihm ein Sensorium dafür, was im Wirtschaftsleben machbar ist und was nicht. Als Eigentümervertreter einen Vorstandschef wie den Telekomboss Heinz Sundt (den Ditz selbst vor einem Jahr installiert hat) monatelang in der Luft zu zerreißen, um dann festzustellen, er bekommt für dessen vorzeitige Ablöse keine Mehrheit im dafür zuständigen Gremium, zeigt nicht von Weitsicht, wettern gestandene Manager. Ähnlich unbeholfen stellte sich Ditz bei der Ablöse der AUA-Vorstände an. Auch dafür hat er keinen Aufsichtsratsbeschluss. Keine aktienrechtliche Basis Erfahrenen Wirtschaftsbossen würden derartige Fehler nicht passieren. Schon allein deshalb, weil sie mit dem Aktienrecht umzugehen wissen. Ditz behauptet zwar, er habe mit der Politik nichts am Hut. Doch er agiert nicht wie ein Manager, sondern wie ein Politiker, der er immer war. Wenn sich ein Politiker etwas wünscht, dann findet er mitunter Mittel und Wege, durch gezieltes Lobbying diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Aber in der Welt der Wirtschaft nützt ihm das alles nichts, wenn er für seine Wünsche keine aktienrechtliche Basis hat. Ditz ist, so ein Vorstandschef, ein klassischer Funktionär, der es von der Industriellenvereinigung über den Wirtschaftsbund bis zum Staatssekretär und Wirtschaftsminister brachte. Seine Lehrzeit in der Wirtschaft absolvierte er als Finanzvorstand der Post, von wo er nach drei Jahren - offenbar noch immer wissbegierig - in die ÖIAG wechselte. Und so wundert es nicht, dass auch seine einstigen Wegbegleiter in der Politik von ihm die Nase voll haben: Bei den Schwarzen ist er ob seines blauäugigen Fuhrwerkens in der ÖIAG in Ungnade gefallen, bei den Roten erst recht, und die Blauen, die ihn sowieso immer loshaben wollten, benutzen Ditz derzeit als Werkzeug, damit sie sich selbst die Finger nicht schmutzig machen müssen. Für viele ist das Vorgehen von Ditz, der bei seinen öffentlichen Auftritten immer wortreich, aber oft wenig konkret seine Absichten erläutert, doppelt unverständlich, zumal er doch selbst einmal Wirtschaftsminister war und mit dem jetzigen Kanzler, Wolfgang Schüssel, Mitte der 90er-Jahre den Schüssel-Ditz-Kurs formulierte. Doch dieser wurde bei den Wahlen 1995 nicht goutiert. Ein halbes Jahr später trat Ditz als Wirtschaftsminister aus privaten Gründen zurück, wie es hieß. Ditz, der am 22. Juni 50 Jahre alt wird, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2001)