Wien - Als "geteilt zwischen drei großen Engländern - Oscar Wilde, William Shakespeare, Joe Orton - und drei großen Österreichern, nämlich Robert Musil, Johann Nestroy, Franz Grillparzer" beschrieb Helmuth Lohner, Direktor des Theater in der Josefstadt das Programm für die kommende Saison 2001/2002. Ebenfalls vorgestellt wurden am Donnerstag die Premieren in den Kammerspielen und das Matineen-Programm - allerdings nur der ersten Hälfte der nächsten Saison: "In der zweiten Hälfte wissen wir noch nicht, was wir uns noch leisten können", so Lohner. Der Schuldenstand des Theaters und die weiterhin ungeklärte Nachfolge Lohners überlagerten thematisch die Pressekonferenz. "Eine Entschuldung hat nicht stattgefunden", erklärte Lohner, und der kaufmännische Direktor Alexander Götz ergänzt: "Der Gesamtschuldenstand von insgesamt rund 164 Millionen S ist de facto unverändert". Mit Einsparungen von 25,7 Millionen S gegenüber der Saison davor, der Umwidmung des für Baumaßnahmen gedachten Budgets (120 Millionen S) in den Betrieb (aufgeteilt bis 2005) und Einnahmen von 112,9 Millionen S konnte in der vergangenen Spielzeit ein Plus von rund 150.000 S erzielt werden. Auf diesem Weg könnte sich die Josefstadt "sogar aus eigener Kraft entschulden", so Lohner, "sie würde dafür jedoch über 100 Jahre" brauchen. Zur Nachfolgefrage meinte Lohner, er hoffe, dass es letztendlich Karl-Heinz Hackl werde, "ganz offen" schätzt er es nicht mehr ein. Insgesamt sei es "ein sehr schlechtes Tennismatch, viele Bälle gehen ins Netz" und eigentlich "schon seit vier Monaten zu spät". Eine ganze Saison werde er selbst "bestimmt nicht" anhängen. Die Engländer und die Österreicher Erste Premiere 2001/02 ist am 6. September Oscar Wildes "Ein idealer Gatte" in der Regie von Michael Gampe. Am 11. Oktober folgt ein Projekt, das für Lohner besondere Bedeutung hat: Robert Musils Epos "Der Mann ohne Eigenschaften" kommt in einer Dramatisierung und der Regie von Jürgen Kaizik auf die Bühne, den Mann ohne Eigenschaften und seinen Konterpart, den Frauenmörder Moosbrugger, spielen das Brüderpaar Helmut und Wolfram Berger. "Man kann den 'Mann ohne Eigenschaften' nicht dramatisieren", stellte Kaizik fest, "das ist unlösbar". Er habe versucht, den "inneren dramatischen glühenden Kern", auf den Musil wiederholt in Briefen aufmerksam gemacht habe, "herauszuschälen. Dieser Stoff braucht die lebendige Gegenwart auf der Bühne". Weitere Premieren im Haupthaus sind am 29. November Johann Nestroys "Heimliches Geld, heimliche Liebe" in der Regie von Lohners Wunschnachfolger Karlheinz Hackl (mit Otto Schenk, Teddy Podgorski u.a.), am 10. Jänner 2002 Franz Grillparzers "Sappho" in der Regie von Janusz Kica und Shakespeares "Viel Lärm um Nichts" in einer Bearbeitung und der Regie von Thomas Birkmeir (7. März 2002). Die letzte Premiere ist am 18. April Joe Ortons "Seid nett zu Mr. Sloane" (Regie: Günter Krämer) mit Helmuth Lohner, Fritz Muliar u. a., für Lohner ein "wichtiges, in Wien zu wenig gespieltes Stück". Die Satelliten In den Kammerspielen gibt es am 20. September die Premiere von "Der keusche Lebemann" (Regie: Teddy Podgorski, mit Ossy Kolmann u. a.), am 8. November Thornton Wilders "Die Heiratsvermittlerin" (Regie: Attila Lang), am 13. Dezember Miguel Mihuras "Katzenzungen" in der Regie von Elfriede Ott. Die letzte Premiere in den Kammerspielen ist am 13. Februar 2002 "Nagerl und Handschuh" von Johann Nestroy (Regie: Monika Steiner). Die bis dato vorgesehenen Matineen (genutzt werden die Sträußelsäle) sind am 16. September eine Autorenlesung mit Umberto Eco, der aus seinem Buch "Baudolino" vortragen wird, am 23. September eine Veranstaltung anlässlich des 85. Geburtstags von Susanne Almassy, am 30. September eine Joseph Lanner/Johann Nestroy-Matinee unter dem Titel "Die Lebenswecker" und am 11. November schließlich liest Martin Walser aus "Der Lebenslauf der Liebe". (APA)