Nun wird also der an sich völlig unspektakuläre Erich Pöltl als erster Landespolitiker vor Gericht stehen. Mit dem ÖVP-Politiker wird aber ein routinierter, hochrangiger Bauernvertreter auf der Anklagebank Platz nehmen, der wie kaum ein anderer weiß, was und wie es in der Landwirtschaft abläuft. Ist er doch selbst Bauer. Ein schlauer noch dazu, der genau weiß, wo er seine Zunge im Zaum halten und wo er sie schnalzen lassen kann. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit einer vorzeitigen Veröffentlichung von bevorstehenden Razzien das Amtsgeheimnis verraten und die behördlichen Erhebungen im so genannten "Schweinemastskandal" erschwert zu haben.

Was immer der Einzelrichter urteilen wird, die Sache ist zwiespältig. Gut ist, dass mit der Abhandlung der Schweinemastaffäre vor Gericht der illegale Arzneigebrauch in der Landwirtschaft wieder thematisiert wird. Zu befürchten ist, dass mit der Konzentrierung auf die Person Pöltl das Problem individualisiert und auf einem "Ein paar schwarze Schafe"-Level hängen bleibt.

Denn was der Prozess natürlich nicht leisten kann, ist die Ausleuchtung des Hintergrunds der Affäre. Seit Jahren verfüttern Bauern illegale Substanzen und Arzneien an ihre Tiere. Immer wieder werden einige angezeigt. Letzten Endes verläuft alles aber im juristischen Niemandsland, weil die Gesetze nicht greifen. Nach der jüngsten Affäre sind von den Ankündigungen harter Konsequenzen ja schon wieder nur die Worte geblieben. Agrarpolitiker wie Pöltl kalmierten vielmehr: ist ja eh alles nichts so schlimm, nur ein paar schwarze Schafe. Der Prozess böte jetzt die Gelegenheit, dass auf politischer Ebene der Druck auf radikale Änderung der Tierhaltung erhöht wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2001)