Was so ein kleiner Machtwechsel im Senat doch alles bewirken kann: Seit einigen Tagen und angesichts der Perspektive, dass seine Gesetzespläne nun mehr keineswegs so umstandslos durch den Kongress flutschen werden, ist US-Präsident Bush wie ausgewechselt. Sanftmut, Schmusekurs und der große Griff in den Kreidetiegel sind angesagt: innige Bekenntnisse zur überparteilichen Zusammenarbeit, ein Tête-à-tête mit dem abtrünnigen Senator James Jeffords da, ein Abendessen mit Erzfeind John McCain dort - kurz: Bush hat sich mit einem Schlag in ein Musterbeispiel von Konsenspolitiker verwandelt. Rechte Demokraten und liberale Republikaner, von denen man am ehesten annimmt, dass sie im Senat über die Parteigrenzen hinweg votieren, sind zu Schlüsselfiguren der Innenpolitik geworden und werden hofiert wie Könige. Auch im umweltpolitischen Diskurs der Regierung Bush gibt es klare Akzentverschiebungen. Die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hielt es am Mittwoch mit einem Mal für angezeigt, auf Bushs enorme Sensibilität in Fragen des Klimaschutzes hinzuweisen. Den Handlungsbedarf an der Ökofront verspüren Bush und seine Entourage aber nicht nur, weil er im Senat mit seiner Umweltpolitik auf Granit beißen dürfte. Letzte, unerfreuliche Umfragen zeigen auch, dass Bushs Öko-image in der Öffentlichkeit schwer zu wünschen übrig lässt: Offenbar gibt es immer mehr Amerikaner, denen die Vorstellung, dass sich eine Kohorte von Caterpillern quer durch die Naturreservate in Alaska baggern wird, wenig angenehm ist. Für die Europäer, die sich durch Bushs Absage an das Kioto-Protokoll brüskiert gefühlt haben, sind das gute Nachrichten - auch wenn noch mehr als ungewiss ist, ob Bush seinen abstrakten Ökosorgen auch konkrete Umweltschutzpläne folgen lassen wird. (DER STANDARD, Print, 8.6.2001)