Mit heftiger Kritik und einer parlamentarischen Anfrage an Außenministerin Benita Ferrero-Waldner reagierte die SPÖ am Donnerstag auf die beiden halbseitigen Einschaltungen der Bundesregierung in der Financial Times vom 6. Juni. Unter dem Titel "Austria's Future Lies in an Enlarged EU" - "Österreichs Zukunft liegt in einer erweiterten EU" - wirbt die Außenministerin in der Finanzfachzeitung für regionale Partnerschaft in Mitteleuropa. "Es ist kein Inserat, sondern ein redaktioneller Beitrag", so ein Sprecher des Außenministeriums zum STANDARD. Halbseitige Einschaltungen in der FT würden derzeit 797.366 Schilling (57.947 Euro) kosten. Die Präsentation der "Regional Conference" sei im Rahmen einer Medienkooperation entstanden. Deshalb wäre für den halbseitigen Artikel nur ein Druckkostenbeitrag in der Höhe von "knapp 300.000 Schilling" verrechnet worden. Wie oft der Beitrag noch erscheinen werde, könne man derzeit noch nicht genau sagen, lautet die Auskunft aus dem Außenamt. Von 1,6 Millionen Schilling (116.277 Euro) Gesamtkosten spricht hingegen der stellvertretende Klubobmann der SPÖ, Caspar Einem. In einer Aussendung kritisierte Einem, dass "millionenteure Inserate falsche Außenpolitik nicht wettmachen können". Der SP-Abgeordnete warf Außenministerin Benita Ferrero-Waldner vor, bereits im Vorjahr - während der EU-Sanktionen - kostspielige Imagetouren durch Europa unternommen zu haben. Die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung steht in einer langjährigen Tradition - und die Kritik an solchen Aktionen hat ebensolche Tradition, wenn sich die jeweils agierenden Parteien auch ändern. So hat die SPÖ in einer Anfragenserie herausgefunden, dass die Bundesregierung von Februar bis Oktober 2000 knapp 100 Millionen Schilling für Werbung und Inserate ausgegeben hat. Das reicht von einer "Grußadresse" von Minister Martin Bartenstein in der Zeitschrift David um 5040 Schilling über 330.000 Schilling für Inserate der schon fast vergessenen Sozialministerin Elisabeth Sickl im STANDARD bis zu Inseratenschaltungen des Bundeskanzlers in verschiedenen Tageszeitungen, die mit 6,188.412 Schilling zu Buche schlagen. Die Rechtfertigung des Bundeskanzlers knüpft nahtlos an die Argumente früherer Regierungen an: Seinen Ausgaben (unter anderem 25 Millionen Schilling für die Propagierung des "Reformdialogs") stünden in den Jahren 1998 und 1999 Ausgaben Viktor Klimas von 70,6 und 74,8 Millionen gegenüber. (trö/cs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. Juni 2001)