Graz - Vor dem Hintergrund der Ausstellung "Telling Tales" möchte das Symposium "Trauma und Erinnerung / Trauma and Memory: Cross-Cultural Perspectives" einen Dialog initiieren. Es stellt sich die Frage, wie wir als Person und als Gesellschaft auf traumatische Erfahrungen reagieren und wie wir mit unserer Erinnerung umgehen. Künstler und Experten aus verschiedenen Disziplinen (Literatur, Psychoanalyse, Philosophie) werden dieses Problemfeld durchleuchten.

Auseinandersetzung mit nationalen Vergangenheit

Die Auseinandersetzung mit der nationalen Vergangenheit fand sowohl in Australien wie auch in Österreich nur verspätet und marginal statt. Die Geschehnisse der Zwischenkriegszeit und des Dritten Reiches unterlagen einem Verdrängungsprozess, gekoppelt mit dem Verlust der österreichischen Identität, der durch die traumatische Erfahrung des Zusammenbruchs des k.k.-Imperiums verursacht wurde. Mit diesem Schicksal der Identitätslosigkeit ist auch das Schicksal der Moderne in Österreich verbunden. Der Wiener Aktionismus der 60er Jahre z.B. kann als Reaktionsbildung, als negativ besetzte Wiederkehr des Verdrängten, gelesen werden. Die Avantgarde zu Ende der 90er Jahre beschäftigt sich mit neuen narrativen Möglichkeiten und definiert einen Realitätsbegriff, bei dem es vor allem um den fiktiven Anteil bei der Konstruktion des Wirklichen, um Erinnerung und Utopie als Aktanten der Gegenwart geht.
    Teilnehmer:
  • Jill Bennett , The University of New South Wales, College of Fine Arts, Australia;
  • Susan Best , Architecture Program, University of Technology, Sydney;
  • Gerhard Botz , Institut für zeitgenössische Geschichte, Universität Wien;
  • Joan Copjec , English Department, New York State University at Buffalo;
  • Okwui Enwezor , New York (Leiter der documenta XI, Kassel);
  • Emmanuel Fleury , Paris (Psychologie); Agnes Heller , New York/Budapest;
  • Franz Kaltenbeck , Paris (Philosophie-Psychoanalyse);
  • Geneviève Morel , Paris, (Psychoanalyse);
  • Ann Scott , London (Psychotherapie);
  • Eyal Sivan , Paris (Filmemacher)
Symposium "Trauma and Memory: Cross-Cultural Perspectives" Wann: 23. und 24. 9. 1999 Ort: Künstlerhaus Graz Konzeption: Franz Kaltenbeck und Peter Weibel

Telling Tales "Telling Tales" ist eine Ausstellung australischer KünstlerInnen zum Thema Erinnerung/Trauma/Verdrängung/kollektives Gedächtnis, dem Umgang mit persönlicher Vergangenheit und der Geschichte einer Nation. Australien sieht sich mit einem kollektiven wie individuellen Trauma konfrontiert, das aus seiner Geschichte und seinem Umgang mit den Aboriginals resultiert. Die Ausstellung behandelt nicht Objekte der Vergangenheit, sondern setzt sich direkt mit dem Prozeß der Erinnerung auseinander. Die KünstlerInnen stellen sich der Auseinandersetzung mit den persönlichen Traumata ihrer Kindheit genauso wie der kollektiven Verdrängung der kolonialen Vergangenheit ihres Landes.

Neue Galerie bietet Überblick über Kunstszene Australiens

Es gilt die Kunst eines Kontinents zu entdecken, so wie es in Los Angeles und New York immer wieder eine lokale Szene gibt, die weltweite Beachtung findet, so hat sich auch in Australien eine Gruppe von Künstlern entwickelt, die von Tracey Moffatt bis Gordon Bennett weltweit exportfähig ist. Vergleichbar der jungen britischen Kunstszene von "Sensation" (Berlin) oder "Emotion" (Hamburg) bietet die Neue Galerie Graz anhand einer thematischen Ausstellung erstmals einen Ein- und Überblick über die Kunstszene in Australien, die in der westlichen Welt so überraschend Erfolg hat, vergleichbar dem Erfolg der australischen Filmindustrie von Peter Weir (Die letzte Flut, Club der Toten Dichter, Die Truman Show) bis zu Jane Campion (Das Piano) oder der Mad Max-Trilogie mit Mel Gibson. KünstlerInnen: Ian Abdulla, Gordon Bennett, Pat Brassington, Anne Brennan, Jon Cattapan, Dennis Del Favero, Deej Fabyc, Julie Gough, Louise Hearman, Justin Kramer, Tracey Moffatt, Jill Orr, Mike Parr, Catherine Truman, Ken Unsworth In Kooperation mit: Ivan Dougherty Gallery, The University of New South Wales, College of Fine Arts Sydney, Australia Ort: Künstlerhaus, Burgring 4, 8010 Graz Dauer der Ausstellung: 25. 9. - 2. 11. 1999 Kuratorinnen: Jill Bennett, Jackie Dunn