Bregenz/Wien - Patrick Ortlieb, seineszeichens freiheitlicher Abgeordneter zum Nationalrat, will endlich einen Schlussstrich unter das leidige Thema Sexaffäre ziehen. Das sagte er in einer Pressekonferenz am Montag in Bregenz. Im Zusammenhang mit der Lokal- und Zechtour durch Innsbruck, die auf eher aufsehenerregende Weise in den frühen Morgenstunden am Innsbrucker Flughafen endete, sei außer viel heißer Luft an den Vorwürfen nichts dran gewesen. Nicht nur für Ortlieb "gibt es keinen Fall". Auch die Innsbrucker Staatsanwaltschaft hatte vergangene Woche das Verfahren gegen den ehemaligen Skistar eingestellt. Es hätten sich keine Anhaltspunkte für ein gerichtlich strafbares Verhalten ergeben, erklärte der zuständige Staatsanwalt Rudolf Koll. Und so sieht Ortlieb "keinen Grund für einen Rücktritt". Wie Freiwild Auf der Pressekonferenz rechnete Ortlieb mit der Berichterstattung zu seinem Fall ab. "Enttäuscht" und "gekränkt" sei er, er fühle sich in dieser ganzen Sache als "Freiwild" behandelt, manche Medien hätten ihren "journalistischen Ehrenkodex" vergessen. Die auf Gerüchten basierenden unbewiesenen Vorwürfe stünden in Zusammenhang mit seiner politischen Einstellung, mutmaßte Ortlieb. Auf seine Parteifreunde allerdings sei Verlass, er genieße volle Rückendeckung der Entscheidungsträger in der FPÖ. Keine einzige Minute bereue er seinen Einstieg in die Politik, doch das Wiener Parkett sei "noch viel eisiger als die Streif". Ob er wieder für den Nationalrat kandidieren werde, stehe noch nicht fest. Grüne fordern Rücktritt Ortlieb habe die durchwegs kritischen Reaktionen auf die Innsbrucker "Affäre" noch immer nicht verstanden, bemängelte der Grüne Abg. Karl Öllinger Montagnachmittag in einer Reaktion auf dessen jüngsten Aussagen. Öllinger forderte den Rücktritt des Vorarlberger FPÖ-Abgeordneten. Wenn Ortlieb nicht von sich aus reagiere, "dann werden sich wohl die Blauen Parteigremien endlich ernsthaft damit befassen müssen, denn ein Rücktritt Ortliebs ist überfällig und überdies unausweichlich", formulierte der Grüne Abgeordnete in einer Parteiaussendung. Es sei wohl nicht zu viel verlangt, so Öllinger, dass jene Partei, die Ortlieb ein Nationalratsmandat geschenkt habe, sich damit befasse, was im Namen dieses Mandats geschehe: " Wir harren der Entscheidung der FPÖ-Parteichefin", appellierte Öllinger an Susanne Riess-Passer. Die Klage von Ortlieb, er sei in der Sache als mediales "Freiwild" behandelt worden, kommentierte Öllinger mit der Bemerkung, Ortlieb unterliege einer Begriffsverwirrung und wisse augenscheinlich nicht was "Freiwild" tatsächlich bedeute. In der gesamten Affäre habe es eine Person gegeben, auf die annähernd die Bezeichnung "Freiwild" zutreffen könne. "Und das war ganz sicherlich nicht der Herr Ortlieb, sondern die betroffene Frau", betonte Öllinger. Was geschah In der Nacht zum Dienstag, 27. März, hatte Ortlieb mit einem Freund eine Zechtour durch Innsbruck unternommen, bei der er eine 34-jährige Frau kennen lernte. Nach eigenen Angaben nahm Ortlieb die Frau zum Flughafen mit, davon ausgehend, dass diese dort "schneller ein Taxi findet". Er gab ihr offenbar im Parkhaus 1000 Schilling Taxigeld und flog ab. Wenig später wurde die verstörte Frau entdeckt, neben ihr lagen ein Tausendschillingschein und ihre Unterwäsche. Die 34-Jährige gab an, sich an nichts mehr erinnern zu können. Fest steht, dass sie in den frühen Morgenstunden Geschlechtsverkehr hatte. Ortlieb will es nicht gewesen sein, er sei nicht ständig mit ihr zusammen gewesen. (red/APA)