Wien - Mit den Diensten der UMTS-Handygeneration (Universal Mobile Telecommunications System), die in Österreich ab 2002 eingeführt werden, wird das mobile Telefonieren spürbar teurer werden. Boris Nemsic, Generaldirektor des österreichischen Handy-Marktführers Mobilkom, sagte am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten: "Wenn man gesund rechnet, sind wir eigentlich schon am Limit. Das heutige GSM-Preisniveau ist bis zu einem Punkt ausgereizt, wo es nicht mehr weiter nach unten geht." Im Gegenteil: Vor allem die Handys selbst werden teurer und allesamt in der Preiskategorie der heutigen Spitzengeräte angesiedelt sein. Durch eine Vielzahl neuer multimedialer Anwendungen (etwa Videoclips oder Spiele) soll den Handykunden dennoch der Umstieg auf die UMTS-Geräte schmackhaft gemacht werden. Die Zeiten, wo Handys im großen Stil verschenkt wurden, um Neukunden zu gewinnen, sind vorbei. Von den sechs UMTS-Lizenznehmern dürften nur maximal drei in Österreich auch tatsächlich tätig werden, glaubt Nemsic. Selbst max.mobil, der unangefochten zweitgrößte Mitspieler auf dem Handymarkt, mit einer Million Kunden, verliert weiterhin Geld. Handy-Verfügbarkeit

Entscheidend wird auch die Frage der Handy-Verfügbarkeit werden. Beim UMTS-Vorläufer GPRS (General Packet Radio System) hat die Mobilkom beispielsweise erst ein Handy - und zwar von Motorola - im Programm. Trotz aller Unsicherheiten der Handy-Verfügbarkeit und der Kundenakzeptanz wird die Mobilkom bis 2003 weitere 100 Mio. EURO (1,376 Mrd. S) in das UMTS-Netz investieren. Schon für die Lizenz hat die Mobilkom 2,36 Mrd. S hingeblättert. Geld, das erst verdient werden muss.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Netzbetreiber ohne UMTS-Dienste künftig Umsatzeinbrüche um bis zu 50 Prozent erleiden werden. Um zu überleben, müssen die Netzbetreiber also bei UMTS dabei sein. Außerdem muss die Kundenbasis erweitert werden - der österreichische Markt nähert sich mit einer Durchdringungsrate von knapp 80 Prozent seiner Sättigungsgrenze. Die Mobilkom ist in Österreich, Kroatien und Slowenien vertreten und will eine Handy-Lizenz in Bosnien-Herzegowina.

Nemsic selbst will Mobilkom-Chef bleiben und nicht auf einen der äußerst turbulenten Vorstandsposten bei der Konzernmutter Telekom Austria wechseln. (miba/DER STANDARD, Printausgabe 12.6.2001)