Straßburg - Der Kontrollausschuss des Europäischen Parlaments wird in der kommenden Woche eine Delegation in die Slowakei entsenden, um dort Untersuchungen über den Einsatz von EU-Fördermitteln anzustellen. Die Mission erfolgt im Zusammenhang mit mutmaßlichen Veruntreuungen von EU-Geldern in Höhe von umgerechnet 704 Mill. Schilling (51,1 Mill. Euro). Der österreichische EU-Abgeordnete Herbert Bösch, stellvertretender Leiter des Kontrollausschusses, wird die Delegation anführen. Bösch bestätigte am Dienstag Abend seine Vorwürfe gegen die EU-Kommission, entsprechenden Hinweisen aus der Slowakei zu "zögerlich" nachgegangen zu sein. Im Zuge der Affäre hatte im Mai der tschechische Vizepremier Pavol Hamzik seinen Hut nehmen müssen, weil ein ihm direkt unterstellter Beamter die EU-Fördergelder in eigene Firmen verschoben haben soll. In der Vorwoche reisten auch Mitglieder der EU-Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF in die Slowakei,um den Vorwürfen nachzugehen. Bösch wirft Verheugen und OLAF allerdings vor, viel zu spät auf deutliche Hinweise aus Preßburg reagiert zu haben. Bereits im vergangenen November habe der Fortschrittsbericht über die Slowakei von wachsender Korruption gesprochen, am 15. März schließlich sei Verheugen über die mutmaßlichen Millionen-Veruntreuungen informiert worden. Danach seien einerseits Wochen vergangen, bevor man in Brüssel reagiert habe, anderseits habe man die in der Folge verfügte Sperre von EU-Geldern Ende April bereits wieder aufgehoben, nachdem Hamzik versichert habe, dass an den Vorwürfen nichts dran sei: "Da fällt mir was mit Bock und Gärtner ein", meint Bösch, "so blauäugig darf man nicht sein." Bösch will nicht von "betrügerischen Absichten" ausgehen, die im Bereich der EU zur verzögerten Reaktion auf die Meldungen aus Preßburg geführt haben. Allerdings sei die Praxis der Mittelvergabe und -Kontrolle durch die Kommission seinen Informationen aus Preßburg zufolge dort als etwaigen betrügerischen Machenschaften "förderlich oder zumindest nicht hinderlich" angesehen worden: "Wo wer Geld gibt, gibt's auch Leute, die zugreifen",meint Bösch und will nun sowohl in der Slowakei als auch im Bereich der EU der Frage nachgehen: "Was passiert, wenn was passiert ist?" (APA)