Wien - ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch lehnt die laufende Debatte über eine Volksbefragung zur EU-Erweiterung als "Ablenkung von den tatsächlichen Herausforderungen" ab. "Man sollte Volksbefragungen nicht verwenden, um die eigene politische Verantwortungslosigkeit zu kaschieren", so der ÖGB-Präsident am Dienstag. Man sollte stattdessen mit zumindest der gleichen Energie an Lösungen für zu erwartende Probleme arbeiten. "Das scheint mir wesentlich sinnvoller als eine Debatte um die Volksbefragung, wo niemand sagen kann, was man fragen soll", so Verzetnitsch. An anstehenden Problemen nannte der ÖGB-Präsident die Pendler, das Lohngefälle, aber auch die regional unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung - sowohl innerhalb Österreichs als auch bei den Beitrittskandidaten. In manchen Bereichen zeichneten sich auch Lösungen ab, wenn etwa seitens Tschechiens oder auch Ungarns signalisiert werde, dass Übergangsfristen vorstellbar wären. Er selbst führe als Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes auch laufend Gespräche zu diesen Themen, so Verzetnitsch. Wiens Bürgermeister Häupl kritisiert "reichlich seltsame Diskussion" Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) hat sich in seiner Pressekonferenz am Dienstag gegen Einzelabstimmungen zur EU-Osterweiterung in den Mitgliedsstaaten ausgesprochen. Häupl: "So wird das nicht funktionieren." Einem "gesamteuropäischen Referendum" könne er jedoch zustimmen, betonte der Wiener Bürgermeister. Die Diskussion, die hierzulande nach dem jüngsten Votum in Irland entstanden ist, halte er für "reichlich seltsam". Das Argument der - erfolgreichen - irischen Gegner, den Vertrag von Nizza abzulehnen, habe mit der Osterweiterung nicht unmittelbar etwas zu tun gehabt. Vielmehr seien in Irland Fragen zur Reform der Institutionen innerhalb der Gemeinschaft im Vordergrund gestanden, betonte Häupl. (APA)