Wien/Krems - Von Horrorzuständen in der Justizanstalt Stein in Niederösterreich berichtet die Wiener Stadtzeitung Falter in ihrer jüngsten Ausgabe. In der vergangenen Woche seien drei Häftlinge "unter mysteriösen Umständen" verstorben. Ein Anstaltsarzt wurde suspendiert. Eines der Opfer sei heroinabhängig gewesen. Doch statt dem Suchtkranken medizinische Hilfe angedeihen zu lassen, sei er in eine Einzelzelle gesteckt worden, wo er offenbar einen "kalten Entzug" durchgemacht habe. Den physischen und psychischen Entzugsbelastungen allein nicht gewachsen, habe sich der Häftling erhängt. Ein anderer Insasse beging ebenfalls Selbstmord - er war zuvor wegen Übelkeit und Depression krankgeschrieben worden. Das dritte Opfer soll einem Herzinfarkt erlegen sein. Bei dem Toten wurden allerdings zahlreiche Medikamente gefunden. Eine Obduktion wurde angeordnet. Gegen einen Anstaltsarzt ist ein Disziplinarverfahren anhängig. Unter anderem soll dieser die Meinung vertreten, dass "Drogenkranke gesellschaftlicher Müll" seien. Saunazelle Ehemalige Häftlinge der Justizanstalt Stein berichten außerdem von einer "Saunazelle" im Heizkeller, wo renitente Insassen nackt eingesperrt würden. Marc Zimmermann, Sprecher des Justizministers, wies Dienstag gegenüber dem STANDARD die Vorwürfe zurück: "Da alle Justizanstalten von unabhängigen Prüfern ohne Voranmeldung regelmäßig überprüft werden und bisher nichts beanstandet wurde, glauben wir nicht daran." Dennoch wurde Wilhelm Klocker, Abteilungsleiter für Strafvollzug, mit einer Überprüfung beauftragt. Auch Anstaltsleiter Johann Hadrbolec wies im Gespräch mit dem STANDARD die Vorwürfe zurück: Die drei Todesfälle innerhalb einer Woche seien "irritierend und sehr bedauerlich", seien jedoch auf das "Gesetz der Serie" zurückzuführen und nicht auf Horrorszenarien. Die so genannte Saunazelle sei eine laut Gesetz vorgeschriebene "besonders gesicherte" Isolierzelle, in der "alles entfernt ist, womit sich Häftlinge Schaden zufügen könnten". Es gebe dort eine Fußbodenheizung mit 27 Grad Celsius, von Saunatemperaturen könne keine Rede sein. Und das mit dem "kalten Entzug" sei ebenfalls falsch, denn besagter Häftling sei von einer anderen Anstalt, wo seine Sucht bereits behandelt worden sei, nach Stein verlegt worden. (fei/simo, DER STANDARD Print-Ausgabe 13./14. Juni 2001)