Wien - Das Studium in Österreich dauert im Vergleich zu den anderen Industriestaaten am längsten und ist am teuersten. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD-Studie "Education at a glance - Bildung auf einem Blick", die in Paris präsentiert wurde. Durchschnittlich dauert die tertiäre Ausbildung (also Unis, Fachhochschulen, Pädagogische Akademien, etc.) in Österreich 6,4 Jahre, der OECD-Länderschnitt liegt bei 4,1 Jahren. Und die Gesamtkosten für die Tertiärbildung eines Studierenden sind in Österreich höher als in jedem anderen Land. Mit 72.184 Dollar (kaufkraftbereinigt) sind die Gesamtkosten pro Student doppelt so hoch wie im OECD-Mittel (35.087 Dollar), wie der OECD-Bildungsexperte und Autor der Studie, Andreas Schleicher, in einem auf Österreich bezogenen Kommentar zur Erhebung schreibt. Und dies, obwohl sich die jährlichen Kosten pro Studierendem in Österreich im Zeitraum 1995 bis 1999 um zwölf Prozent verringert haben. Hohe Ausfallsrate Erneut bestätigt wird vom OECD-Ländervergleich die niedrige Abschlussquote in Österreich (Abschlüsse im Tertiärbereich der einzelnen Altersjahrgänge). Nach der Türkei (9,6 Prozent), Tschechien (10,8 Prozent) und Mexiko (11,2 Prozent) folgt bereits Österreich unter den Ländern mit der niedrigsten Quote im Hochschulbereich. Lediglich zwölf Prozent einer Altersgruppe schließen ein Hochschulstudium ab, weniger als die Hälfte des OECD-Schnitts (24,5 Prozent) und weniger als ein Drittel der Absolventenquote in Großbritannien (36,8 Prozent). OECD-Experte Schleicher erwartet, dass sich der Abstand Österreichs zum OECD-Mittel bei der Zahl der Hochschulabsolventen mittelfristig noch vergrößern wird. Denn während die OECD-Staaten zwischen 1995 und 1999 einen durchschnittlichen Zuwachs bei der Zahl der Studierenden in Höhe von 20 Prozent aufwiesen, fiel dieses Plus in Österreich mit sechs Prozent relativ niedrig aus. Viele Doktoren Die im internationalen Vergleich geringen Abschlussquoten spiegeln sich auch in einem anderen Bereich wider: Der Anteil der Absolventen natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fächer pro 100.000 Erwerbstätige im Alter von 25 bis 34 Jahren liegt in Österreich nur bei 392 Personen, im OECD-Schnitt sind es 1.199 Personen. Besser schneidet Österreich dagegen bei höheren Forschungsabschlüssen wie dem Doktortitel auf. Hier belegt Österreich hinter der Schweiz, Schweden, Deutschland und Finnland mit einer Abschlussquote von 1,4 Prozent den fünften Platz. Wünschenswert wäre eine höhere Abschlussquote im tertiären Bereich nicht zuletzt auch für den Arbeitsmarkt: Die Bildungsindikatoren zeigen, dass die Nachfrage nach Akademikern tendenziell schneller als das Angebot gestiegen ist. Darüber hinaus sind die Vorteile von Akademikern am Arbeitsmarkt in Österreich - v.a. geringere Arbeitslosigkeit - noch stärker als in den anderen OECD-Staaten ausgeprägt. (APA)