Bern - Seit 20 Jahren ist der Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit in der Bundesverfassung verankert. Trotzdem beträgt die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern in der Privatwirtschaft immer noch 21,5 Prozent, im öffentlichen Sektor 9 Prozent. Diskriminierungen in der Arbeitswelt sind nach wie vor gang und gäbe. Rund 60 Prozent der durchschnittlichen Lohndifferenzen lassen sich auf Diskriminierungen zurückführen. Privatwirtschaft diskriminiert mehr Vor allem in der Privatwirtschaft liegen die Reallöhne der Frauen liegen deutlich tiefer. Der monatliche Bruttolohn (Median) der Frauen betrug 1998 4.253 Franken (2.795 Euro/38.454 S), jener der Männer 5.417 Franken (3.559 Euro/48.978 S). Zwischen 1996 und 1998 stiegen die Reallöhne der Frauen stärker als jene der Männer an, wodurch sich die Lohndifferenzen von 23,8 auf 21,5 Prozent reduziert haben. Im öffentlichen Sektor sind die Unterschiede deutlich niedriger. Der Median der Frauen belief sich 1998 auf 5.506 Franken, derjenige der Männer auf 6.059 Franken. Zwischen 1994 und 1998 hat sich die Lohndifferenz von 13 auf 9 Prozent gesenkt. Eine andere Zahl zur Lohnungleichheit: Ein verheirateter Mann bekommt mehr Lohn als ein lediger; 1996 betrug dieser Bonus 4,5 Prozent. Für Frauen gibt es diese Begünstigung nicht: Sie verdienen im selben Jahr um 3,7 Prozent weniger. Zurückzuführen ist diese Diskriminierung vor allem auf die weit verbreiteten Vorurteile bei Arbeitgebern, dass verheiratete Frauen weniger lang im Betrieb bleiben werden. Ausserdem werden Berufserfahrung und Ausbildungsjahre bei Männern unumstritten höher bewertet als bei Frauen. Dies geht aus einer Studie des Bundesamtes für Statistik hervor. Gemeinsam verhandelt es sich leichter Klagen aufgrund von Lohndiskriminierungen werden meist von Gruppen angestrengt. Unterstützt von Berufsverbänden und Gewerkschaften entwickeln solche Verhandlungen eine Eigendynamik und stärken die Verhandlungsmöglichkeiten für andere berufstätige Frauen. Oftmals kommt es gar nicht zu Klagen, da bereits im Vorfeld bei den Schlichtungsstellen Vergleiche abgeschlossen werden, lautet das Fazit von Marianne Geisser, stellvertretende Direktorin beim Eidgenössischen Büro für Gleichstellung. Nicht gewerkschaftlich organisierten Frauen wird von einem Alleingang vor Gericht abgeraten. Sie sollten das Tabuthema Lohnpolitik in ihren Unternehmen auf den Tisch bringen, um Lohntransparenz zu schaffen. "Das sind die besten Voraussetzung, um mit vereinten Kräften gegen Lohndiskriminierung zu kämpfen", führt Geisser aus. Unterstützung ist wichtig Wie die Studie des BFS weiter zeigt, werden Frauen im öffentlichen Dienst weniger diskriminiert als ihre Kolleginnen in der Privatwirtschaft. Aufgrund des größeren Kündigungsschutzes und der Unterstützung durch Personalverbände, wehren sich Betroffene beim Bund aber trotzdem heftiger. Klagen im Privatbereich gibt es hingegen selten. Viele Frauen wenden sich daher an das Büro für Gleichstellung: "Wir zeigen den Frauen Möglichkeiten auf, wie sie sich wehren können, ohne gleich vor Gericht gehen zu müssen." (APA/red)