Wien - Ein juristisches Nachspiel hatte die Teilnahme bei einer Anti-FPÖ-Kundgebung in Wien-Oberlaa im vergangenen Jänner für eine 29-jährige Künstlerin: Die Theaterregisseurin, die am 21. Jänner mit anderen Demonstranten gegen das Neujahrstreffen der Freiheitlichen protestiert hatte, dabei ein Ei geworfen und einen Polizeioffizier getreten haben soll, wurde im Wiener Landesgericht wegen versuchtem Widerstand gegen die Staatsgewalt zu einem Monat bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Der Vorfall hatte sich im Zuge eines improvisierten Sitzstreiks auf der Laaer-Berg-Straße in einiger Entfernung zu der von einem starken Aufgebot an Sicherheitskräften abgeschirmten Kurhalle ereignet, gegen den ein Polizeimajor einschreiten wollte. Dabei sei er mit einem "faustgroßem Wurfgegenstand" beschossen worden, dem er gerade noch ausweichen konnte, so dass er ihn nur am Oberarm gestreift hatte, hatte der Beamte bereits im Mai vor Gericht ausgesagt. Widerstand Daraufhin verfolgte der Beamte die 29-Jährige und hielt sie an ihrem Rucksack fest. "Sie hat versucht, sich wegzudrehen und sich zu mir gedreht. Vorher hat sie schon begonnen, nach hinten auszutreten", schilderte der Polizist im Zeugenstand. "Das stimmt nicht", entgegnete die 29-Jährige: Sie habe lediglich probiert, das Gleichgewicht zu halten, um nicht zu Boden zu fallen, "ich hab gefürchtet, dass mir dann noch mehr passiert". Sie habe sich immer in der gleichen Position befunden, der Beamte sei auf sie "draufgesprungen - die Möglichkeit des aktiven Widerstandes war gar nicht da." Künstlerin wurde für Mann gehalten Zwei weitere Kundgebungsteilnehmerinnen hatten ebenfalls keine Gewalteinwirkung durch die Angeklagte beobachtet. "So wie ich sie gesehen habe, konnte sie das gar nicht", die 29-Jährige sei von allen Seiten von Polizisten umgeben gewesen, die zur Unterstützung des Majors herbeigeeilt waren, sagte eine Zeugin. Ein Wega-Kommandant sah die Sache anders: "Die hat getreten, geschrien und geschlagen". Zunächst hatten die Einsatzkräfte die Regisseurin für einen Mann gehalten: "Wenn ich sie so vor mir sehe, würde ich sie nicht so einschätzen, dass sie so aktiv Widerstand leisten können", bemerkte der Beamte zu der Frau auf der Anklagebank. Einzelrichter Gerhard Szaal verurteilte die Regisseurin zu einem Monat bedingter Haft mit einer Probezeit von drei Jahren. Die 29-Jährige, die im Zuge der Aktion eine Verletzung am Schienbein erlitten hatte, erbat sich Bedenkzeit. Das Geschehen im Anschluss an den Einsatz ist noch Gegenstand eines weiteren Verfahrens. (APA)