London/Berlin - Wüstenameisen haben einen dreidimensionalen Kilometerzähler, um schnell zu ihren Nestern zurück zu finden. Bei der Futtersuche in hügeligem Gelände messen die Tiere nicht die tatsächlich zurückgelegte Wegstrecke, sondern errechnen und speichern die Luftlinie zu ihrem Nest. Wie Forscher der Berliner Humboldt Universität und der Universität Zürich in "Nature" berichten, ignorieren die Tiere die durch Steigungen und Gefälle verursachte zusätzliche Länge des Weges. Der Berliner Professor Bernhard Ronacher und sein Team dressierten die Wüstenameisen (Cataglyphis fortis) darauf, über künstliche Berge zu einer Futterquelle zu gehen. Für den Rückweg zu ihren Nestern wurden die Tiere auf eine ebene Strecke gesetzt. In Erwartung ihres Nestes stoppten die Tiere dort bereits nach einer Strecke, die der Luftlinie des hügeligen Hinwegs entsprach. Bei der Messung des Weges hatten sie also Steigung und Gefälle miteinander verrechnet und die durch die Hügel verursachten zusätzlichen Meter nicht mit gezählt. Zuvor hatten Biologen vermutet, dass die Ameisen Entfernungen möglicherweise nur durch Messung ihrer Schritte bestimmen. Mit dieser Untersuchung wurde gezeigt, dass der Mechanismus weitaus komplizierter ist. Wie er genau funktioniert, ist allerdings weiterhin unklar. Für die Tiere sei er deswegen bedeutsam, weil er die Genauigkeit erhöhe, mit der die Ameisen ihr Nest wiederfinden. Zusätzlich zur Entfernungsmessung orientierten sich die Tiere - ähnlich wie mit einem Kompass - am Himmelsmuster, um ihre Position im Gelände zu bestimmen: Sonnenstrahlen, die auf die Erde treffen, schwingen in verschiedenen Richtungen. Je nach Sonnenstand und Atmosphärenzusammensetzung werden Strahlen bestimmter Schwingungsebenen herausgefiltert.(APA/dpa)