Berlin - Die Berliner Philharmoniker schlagen Alarm, weil die Berufung von Simon Rattle zum Nachfolger von Claudio Abbado zu scheitern droht. Das könnte geschehen, wenn das Abgeordnetenhaus in den kommenden zwei Wochen nicht die Umwandlung des Orchesters in eine Stiftung beschließt. Das Parlament sollte an diesem Donnerstag über das Stiftungsgesetz beraten, mit dem das Orchester größere finanzielle Unabhängigkeit bekommt. Am Vortag war die Vorlage jedoch überraschend von der Tagesordnung genommen und zunächst wieder auf die lange Bank geschoben worden. Damit könnte auch das Spitzenorchester in den Strudel der Berliner Regierungskrise geraten. Sollte der Dirigent der Stadt tatsächlich einen Korb geben, stünde die Stadt vor einem kulturpolitischen Debakel und ein neuer Senat vor der schwierigen Aufgabe, in nur wenigen Monaten einen geeigneten Nachfolger für den kranken Abbado zu finden. Das Orchester sei "fassungslos" und stehe vor einem "GAU", fasste der Vorstand Peter Riegelbauer die Stimmung unter seinen Kollegen zusammen. Bereits vor einigen Tagen hatte Kultursenator Christoph Stölzl berichtet, Rattle sei "sehr ungehalten", dass sein Vertrag noch immer nicht unter Dach und Fach sei. Der Dirigent fordert eine Gehaltserhöhung für die Musiker mit einem Volumen von insgesamt 2,3 Millionen Mark. Dieser Betrag soll nun nicht aus dem Berliner Haushalt kommen, sondern aus Mitteln der Lotto-Stiftung, doch auch dieses Geld ist bis heute nicht sicher. Wie die Philharmoniker steht auch die von Daniel Barenboim geleitete Berliner Staatskapelle vor einer ungewissen Zukunft. Über eine Vertragsverlängerung für den argentinisch-israelischen Dirigenten über 2002 hinaus verhandeln seit Monaten sein Anwalt, der PDS-Politiker Gregor Gysi, und der Senat. Das Opernorchester wartet seit Monaten auf die 3,5 Millionen Mark, die Bundeskanzler Gerhard Schröder zugesagt hatte. Das Geld soll aber erst fließen, wenn die Musiker der Staatsoper einem neuen Haustarifvertrag zustimmen.(APA/dpa)