Wien - Nach langen, von "bad news" dominierten mageren Jahren kann die europäische Textilindustrie nun aufatmen. Ihr Gesamtumsatz hat mit 198 Mrd. EURO im Vorjahr erstmals mit 4,3 Prozent wieder signifikant ins Plus gedreht. "Der Gesundschrumpfungsprozess ist abgeschlossen", interpretiert Lambach-Hitiag-Chef Peter Pfneisl im Gespräch mit dem S TANDARD die aktuellen Zahlen der Brüssler "Eurotex", dem Zusammenschluss von 113.000 Textilfirmen.

Geschrumpft ist dabei in den letzten Jahren die Zahl der Textilfirmen von europaweit 170.000 auf insgesamt 114.000 und die der Jobs von drei auf 2,2 Millionen. Spiegelbildlich dazu hat auch in Österreich in den letzten fünf Jahren eine Reduzierung von 20 Prozent bei den Firmen und 30 Prozent bei den Jobs (auf 22.000) stattgefunden.

Parallel zur europaweiten Marktbereinigung waren die verbleibenden Unternehmen aber auch gezwungen, sich mit neuen Strategien gegen die Billigimporte aus Asien zu wehren, wobei sie mit einer Fokussierung auf intelligente Produkte am erfolgreichsten punkten konnten.

Das Zauberwort dabei hieß vor allem "technische Textilien", wie sie etwa bei Spezialkleidung oder in der Fahrzeug- und Papierindustrie Anwendung finden. Aber auch Heim- und Bekleidungstextilien sowie Spinnereiprodukte konnten mit plus 7,2 bzw. 5,3 Prozent jetzt endlich wieder zulegen, nachdem sie seit 1995 im Minus herumgedümpelt sind.

Verantwortlich für den Aufschwung ist die gestiegene Inlandsnachfrage innerhalb der EU gewesen, von der vor allem Italien, Frankreich und Spanien am meisten profitieren konnten.

Durch den Globalisierungsdruck waren Preissteigerungen im Durchschnitt allerdings nur mit rund 2,6 Prozent und damit lediglich in sehr vorsichtigem Maße durchsetzbar, so Pfneisl.

Als extrem exportorientierte Branche profitierte die Textilindustrie aber auch vom hohe Dollarkurs und von der lang geforderten Öffnung Chinas, das seit seinem WTO-Beitritt im Vorjahr die Importzöl- le für Textilien herunterfährt. Die Zollkonzessionen Chinas lassen auch auf ähnliche Entscheidungen für die Marktöffnung in anderen Ländern der Dritten Welt hoffen. Lobbyist Pfneisl nennt dabei vor allem Indien als großen Hoffnungsmarkt der europäischen Textilisten, obwohl sich der Subkontinent derzeit noch mit bis zu 70-prozentigen Zöllen abschottet.

Probleme, die den Betrieben trotz positiver Trendwende freilich bleiben: fehlende Facharbeiter und hohe Lohnnebenkosten. (Monika Bachhofer, D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 15. 6. 2001)