Auch wenn das irische Nein eine "Enttäuschung" sei - Auswirkungen dürfe es keine haben: "Der Nizza-Vertrag wird umgesetzt und der Ratifizierungsprozess läuft weiter", wollte sich die schwedische Außenministerin und derzeitige EU-Ratsvorsitzende Anna Lindh nicht vom Fahrplan abbringen lassen.

Dass die EU-Osterweiterung eine historische Pflicht sei, das könne auch er unterschreiben. Aber nach Worten des Bedauerns einfach zu business as usual überzugehen, davor warnte Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission, während einer emotionalen Debatte im Europaparlament in Straßburg eindringlich. Die Mitgliedsstaaten müssten ihre Lehren aus dem irischen Votum ziehen - etwa die, dass das "Schicksal Europas nicht länger von Konferenzen hinter verschlossenen Türen" entschieden werden dürfe.

Offen müsse gearbeitet werden, "bei Tageslicht", nicht in Marathon-Nachtsitzungen wie in Nizza. Wie genau die Entscheidungsfindung künftig funktionieren soll, müsse bei einem Konvent festgelegt werden - an dem nicht nur die Regierungschefs, sondern auch nationale Parlamentarier und Europaabgeordnete teilnehmen.

Mit diesen Forderungen hat Prodi den meisten Europa- abgeordneten aus der Seele gesprochen. Stehen sie doch der großen Macht des Rates der Regierungschefs der EU-Staaten (und ihrer eigenen Ohnmacht) ohnehin mehr als skeptisch gegenüber. Der Grüne Johannes Voggenhuber, Vize-Vorsitzender des Verfassungsausschusses, zieht etwa aus dem irischen Nein die Konsequenz, dass das "Instrument der Regierungskonferenz", auf der der Nizza-Vertrag beschlossen wurde, gescheitert sei. Das sei der Grund für das Akzeptanzproblem der EU - und gleichzeitig eine Chance zur Demokratisierung der EU.

Zeit dafür wäre - der Vertrag von Nizza muss erst in zwei Jahren ratifiziert werden.