Wien - Die Neuregelung des weltweiten Bankwesens, bekannt unter dem Begriff Basel II, wird die Kreditvergabe der Banken ab 2004 drastisch verteuern. Nun wagt sich der Chef der Österreichischen Tourismusbank (ÖHT), Franz Hartl, im Gespräch mit dem S TANDARD erstmals an eine konkrete Prognose. Seiner Ansicht nach könnten Kredite für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) bis zu zwei Prozentpunkte teurer werden. Ein Kredit, für den jetzt noch sechs Prozent Zinsen zu berappen sind, wäre dann nur mehr um acht Prozent zu bekommen. Der ÖHT-Chef stützt sich bei seiner Prognose auf Erfahrungswerte aus der Schweiz, wo mit Basel II die risikoadäquate Verzinsung ja bereits praktiziert wird. Die Verteuerung wird vor allem all jene Klein- und Mittelbetriebe treffen, die in puncto Eigenkapitalausstattung schlecht dastehen. Allen voran also das Gastgewerbe und die Hotellerie, deren Dreisternebetriebe einen negativen Spitzenwert von minus 32 Prozent aufweisen. Aber auch die Hotels der Vier-und Fünfsternekategorie können lediglich minus 12,2 Prozent vorweisen. Ein Drittel nicht finanzierbar Gemessen an den im Gesetz festgelegten Kennzahlen für Eigenmittelquoten und Entschuldungsdauer - welche die Stabilität von Unternehmen beurteilt - wird mit Blick auf Basel II mehr als ein Drittel dieser Tourismusbetriebe nicht mehr finanzierbar sein, so Hartl, der deshalb in den nächsten Jahren einem beschleunigten Ausleseprozess erwartet. Schlecht steht es mit dem Eigenkapital aber auch beim Einzelhandel (-3,6 Prozent) und beim Baugewerbe, das mit +3,9 Prozent auch nicht gerade glänzt. Eigenkapital-Engpässe Aber auch kleine Kreditinstitute im ländlichen Raum, die wenig Anleger, aber viele Kreditnehmer aus den Reihen der KMUs haben, könnten vermehrt in Eigenkapital-Engpässe geraten. Der Grund dafür: Die Banken müssen das Risiko ihrer Kredite auf nachvollziehbare Weise darstellen. Wer dies nicht schafft, benötigt nach Basel II mehr Eigenkapitalunterfütterung. Bei der Erste Bank verweist man auf Anfrage jedenfalls darauf, dass es ja verschiedene interne Bonitätsklassen geben werde. Da die Banken bei risikobehafteten Krediten mehr Eigenkapital brauchen, werden in der Folge die Kredite zwar teurer werden, ob man aber diese Verteuerung zur Gänze und in jedem Fall auf den Kunden überwälzen wird können, sei durchaus offen. Da werde man "viel Fingerspitzengefühl aufbringen müssen", heißt es. Von einem Konkursanwärter etwa noch mehr zu verlangen, bringe schließlich nur die Umschuldung durcheinander. Und auch bei der Bank Austria will man sich im Zusammenhang mit einer zu erwartenden Kreditverteuerung jetzt noch nicht festlegen, weil "die endgültige Risikogewichtung schließlich erst im Herbst feststehen wird". (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Printausgabe 16.6.2001)