- und die Frage nach dem Wie einfach nicht beantwortet. Zur Strafe bewerben sich Millionen von Menschen bei Taxi Orange, drängelnd winkend bis singend vor Musikantenstadl-, Seitenblicke-oder Alltagsgeschichten-Kameras, lassen sich in Talkshows vorführen und von Swingerclub-TV-Magazinen beim Ausleben ihrer kleinen sexuellen Obsessionen bespechteln - und schaffen es trotzdem nicht, ihr Dasein dauerhaft vom Status des bloßen Vorhandenseins auf ein anderes, allgemein anerkanntes Level aufzuwerten. Die australischstämmige Journalistin Krum erklärt nun in ihrem Erstlingsroman (einem natürlich völlig frei erfundenen Geschichtchen), wie man es schafft, berühmt zu werden. Sogar wenn man die vermutlich allerlangweiligste Figur des Universums ist. Genau das ist Tom Webster nämlich: fad, farblos und frustriert. Abgesehen davon verfügt der Held in Hauptsache berühmt auch sonst über keine spezifischen Fähigkeiten, die ihn zum logischen Promi machen würden: Er ist untersetzt, pummelig, frisch verlassen, modisch desinteressiert und nicht einmal schwul oder sonstwie mit glamourkompatiblen Charaktereigenschaften behaftet. Er ist Yale-Absolvent, schreibt eine wöchentliche Wirtschaftskolumne in einem zweitklassigen New Yorker Broker-Magazin und hat nicht einmal mehr Träume von einem lustigen Leben. Gerade das qualifiziert diesen lebenden No- und somit Everybody allerdings dazu, von einer Hochglanzillustrierten "entdeckt" zu werden: Für eine stattliche Summe soll der Langweiler irgendetwas tun, um binnen eines Monats Bekanntheit zu erlangen. Irgendetwas? Irgendetwas. Völlig wurscht, was. Webster ist zwar ideenlos, schreibt aber doch an ein Hollywood-Busensternchen, von dem ihm ein Fan erzählt hat, sie würde kraft ihrer Cinemascope-Oberweite medial stets weit unter ihren wahren, intellektuellen Werten gehandelt. So banal und konstruiert der Sprung vom blöden Fanbrief zum PR-Agenten des Sternchens, der seinen Schützling tatsächlich neu positionieren will und deshalb ein jedem Paparazzo gestecktes Date zwischen dem Starlet und Börsenmann organisiert, ist, so treffend beschrieben ist die darauf folgende, nur oberflächlich durch Handlung kaschierte Analyse des Funktionierens der Glam-Presse in Krums Buch: Beginnend mit dem symbiotischen Deal zwischen zwei einander völlig fremden Menschen, die einander nicht einmal besonders sympathisch sind, folgt ein Parforceritt Websters durch die real existierende Waschmaschine der Society-Presse.

Dazu kommt das plötzliche Gesehen- und Gegrüßtwerden Websters durch Menschen, die ihn bislang nicht einmal ignoriert hatten. Frauen, die ihn auf einmal sexy finden, gibt es sowieso. Bis hin zum plötzlichen - hochglanzjournalistisch komparativvokabelbedarfbedingten - Aufstieg von der "grauen Maus" zum "Börsenguru" und "Sexidol" setzt Krum die Begleiterscheinungen des Promiwesens treffend in Szene. Gleichzeitig beschreibt sie dabei aber auch den Mechanismus der kombinierten Schraub- und Bohrbewegung aus einander gegenseitig immer weiter treibenden PR-Agenten, Marketingmenschen, Produktplatzierern und Klatschpresse, Talkshows sowie Promimagazinen besser und anschaulicher, als es die zahllosen halb dokumentarischen, immer nur beinahe selbstkritischen Dokumentationen in Print und TV in der Regel zustande bringen.

Dass der eigentliche Plot des Romans im Grunde weder aufregend noch sonst was ist und das Buch auch sprachlich nicht vor Brillanz strotzt, spielt da eigentlich keine Rolle (immerhin erspart Krum ihrem Publikum ein hollywoodeskes Happyend, bei dem Sternchen und Schreiber zueinander finden). Spannend an Hauptsache berühmt ist die - an zahllosen Beispielen des real tatsächlich existierenden Prominentenuniversums leicht nachzuvollziehende - Erkenntnis, wie simpel gestrickt das Berühmtwerden ist: Können oder Sein sind Nebensache, erzählt Krum - alles, was man braucht, ist der Wille, ins Rampenlicht zu treten, eine kleine Portion Frechheit um beim "Hier, ich"-Rufen ein einziges Mal gesehen zu werden und danach eine Großhandelspackung Penetranz, sich immer und immer wieder in den Vordergrund zu drängen. So geht das. Wirklich. Nicht nur in New York. (Thomas Rottenberg)