London - Allein der Anblick attraktiver Frauen in Modemagazinen reicht aus, um bei Männern die Selbsteinschätzung zu steigern. Das behauptet zumindest eine Studie, die an der Chicago University durchgeführt wurde. Dass Fotos schöner Frauen Männer unter anderem dazu verleiten, dass diese ihre Karrierechancen und ihr Gehalt besser beurteilen, passiere nach Ansicht des Studienleiters James Roney unbewusst. Die Studie wurde auf der Konferenz der Human Behaviour and Evolution Society in London präsentiert. Gefinkelte Testdurchführung Für die Studie, die im Fachmagazin New Scientist veröffentlicht wurde, legte Roney männlichen Testpersonen im Alter zwischen 18 und 36 Jahren Anzeigenfotos vor. Diese wurden im Glauben gelassen, die Wirksamkeit der Werbekampagne einschätzen zu müssen. Einer Gruppe wurden Bilder von jungen Frauen vorgelegt, der anderen Bilder von Frauen über 50 Jahren. Der Betrachtung folgten ein Stimmungstest sowie eine Befragung zur eigenen Person und der beruflichen Situation. "Männer, die junge Frauen betrachteten, fühlten sich mächtiger, ehrgeiziger und bewerteten ihren Erfolg positiver", so Roney. Ob Männer dabei die Wahrheit gesagt haben, könne allerdings nicht garantiert werden. Frauen sollten aber davon ausgehen, dass Männer in Konversation mit einem hübschen weiblichen Gegenüber zu Übertreibungen neigen, ergänzte Roney. Biologistisches Bisher war bekannt, dass Charakterzüge wie Ehrgeiz und Dominanz mit einer erhöhten Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron in Verbindung stehen. Im vorgelegten Fragebogen kreuzten demnach auch 80 Prozent der Männer, die Anzeigen mit jungen Frauen betrachteten, eines dieser Merkmale an. Bei der Vergleichsgruppe waren es nur 18 Prozent. Wie hübsche Frauenfotos die männliche Selbsteinschätzung verändern ist noch unklar. "Versuche an anderen Primaten haben gezeigt, dass Schlüsselreize wie Geruch über präoptische Gehirnregionen ein Balzverhalten auslösen", erklärte Roney. Ähnliches könnte auch beim Menschen stattfinden. Hier lösen aber vielmehr visuelle Reize das männliche Imponiergehabe aus. Der Wissenschaftler ist über die Ergebnisse erstaunt, da er bei Männern von einem beständigerem Bild der eigenen Persönlichkeit ausgegangen ist. Roney will in der nächsten Studie untersuchen, wie sich unter den selben Voraussetzungen der Testosteronspiegel verändert. (pte)