Wien - Im Rahmen der vielgesichtigen Eröffnungsfeierlichkeiten des Wiener MuseumsQuartiers eröffnete am 27. Juni das darin angesiedelte Architekturzentrum Wien (AZW) die Ausstellung "detonation Deutschland". Eine Woche davor wurde ein Buch zum Thema präsentiert, betitelt "Größere Gegner gesucht". Zeitgenössischen Kulturbauten in einem Spannungsfeld von architektonischen Entwürfen, Politik und Medien, von Initiativen zur Realisierung wie zur Verhinderung: Das MQ, ein Paradebeispiel für ein Zusammenducken auf einen geringsten gemeinsamen Nenner, steht darin neben Holleins Museum für Mönchengladbach, die Louvre-Erweiterung, die Sydney Opera, das Groninger Museum und das Kultur- und Kongreßzentrum Luzern - Falldarstellungen von Neubauten, die in jahrelangem Ringen schließlich durchgesetzt und fertiggestellt werden konnten. "Objekt der Begierde" aller Seiten "Das Museumsquartier ist ein Projekt der Metamorphosen, ein Projekt der Erpressung, ein Projekt der Charakterdarsteller, ein Projekt der Hoffnung gegen die Hoffnung", resümierte am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Buchpräsentation Erhard Busek, einst als Wissenschaftsminister einer der ersten "teilzeit-teilverantwortlichen Bauherren". Nachdem Hans Hollein und ein Vertreter der Stadt Mönchengladbach sich an ihre gemeinsame Baugeschichte erinnert hatten und der Groninger Museumsdirektor Frans Haks an seine Zusammenarbeit mit Wolf Prix, war das MQ bald dominierendes Thema. Architekt Laurids Ortner betonte, das Museumsquartier wäre "von der ersten Minute an ein Objekt der Begierde" aller Seiten gewesen, "meilenweit aus der Griffweite der Architekten entfernt". Man habe offenbar die Wichtigkeit des Projektes nicht vermitteln können. Dennoch sei es vor allem den Architekten zuzuschreiben, dass das Museumsquartier realisiert werden konnte, "und viel weniger jenen, die dafür eigentlich zuständig gewesen wären". An Ansprech- und Diskussionspartnern auf der politischen Ebene hätte es immer gemangelt, meinte Ortner. Buseks pointierte und offenherzige Ausführungen ("Bei der Eröffnung werden Sie begeisterte Reden auch von jenen hören, die den Turm verhindert haben.") veranlassten den moderierenden AZW-Leiter Dietmar Steiner zur Bemerkung: "Ich bin fast geneigt, Sie einzuladen, am 29. um 11 Uhr hier einen Gegenfestakt abzuhalten." Busek erzählte, er habe bei der Durchsetzung mehr die Befürworter mit ihren immer neuen Abänderungsvorschlägen gefürchtet als die deklarierten Gegner. Bei den langwierigen rechtlichen Verfahren wären jene, die dabei ihre eigenen Interessen verfolgt hätten, Legion gewesen. Auch von der Wiener Architektenschaft hätte er sich mehr Unterstützung des einmal beschlossenen Ortner-Projektes erwartet. "Ich bin selig, dass das Museumsquartier so weit gekommen ist", meinte Busek, "nämlich wegen der inneren Reputation der Republik", die nun doch endlich einen großen Kulturbau verwirklicht habe. (APA/red)