Wien - Die Rahmenbedingungen für die Wiener Börse, die im bisherigen Jahresverlauf mit einem beachtlichen ATX-Plus von knapp 15 Prozent weltweit an der Spitze liegt, bleiben attraktiv. "Profitable Industriewerte werden auch im zweiten Halbjahr in der Gunst der Anleger bleiben und die Wiener Börse zu einem internationalen Topperformer machen", so der Leiter des Erste Bank Xetra-Sektor Research Günther Artner am Mittwoch bei der Präsentation des Finanzmarktausblickes Österreich für das zweite Halbjahr. Bis zum Jahresende 2001 prognostiziert die Erste Bank einen ATX-Zielwert von 1.300 Punkten, das entspricht gegenüber dem derzeitigen Niveau von rund 1.230 Punkten einem weiteren Potenzial 5 bis 6 Prozent, wobei sich die Umstellung der MSCI-Indizes - das Österreich-Gewicht wird ab November von 0,09 auf 0,04 Prozent mehr als halbiert - als bremsender Faktor herausstellen sollte. Plus von 12 Prozent erwartet Auf Sicht von zwölf Monaten rechnet die Erste Bank mit einem ATX-Stand von 1.380 Punkten, einem Plus von 12 Prozent. Die Top-Empfehlungen der Erste Bank lauten auf VA Stahl, Austria Haustechnik (AHT), Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment (SBOE), Adcon Telemetry, Pankl Racing Systems und Gericom. "Randmärkte und vor allem Stock Picking gewinnen in der international allgemein schwachen Börsenphase vermehrt an Bedeutung", sagte Artner. Das werde sich für die Wiener Börse, die eine Randbörse sei, im zweiten Halbjahr als kurstreibender Faktor herausstellen. Auch die weitere Entwicklung bei den Gewinnwarnungen aus dem Technologiesektor sei wichtig. Eine deutliche Abnahme erwartet Artner erst im vierten Quartal, nach den Ergebnissen des noch schlechten 2. Quartals. Dann sollte auch der Tiefpunkt an den internationalen Aktienmärkten erreicht worden sein und ein besserer Ausblick für das erste Halbjahr 2002 für eine Erholung sorgen. Derzeit sei die Bodenbildung aber erst im Laufen. Zykliker und Industriewerte Nach Sektoren werden laut Erste Bank Zykliker und Industriewerte zu den Gewinnern der nächsten sechs Monate zählen. In dieser Kategorie analysiert die Erste Bank VA Stahl - die durch die erstmalige Aufnahme klarer Gewinner der MSCI-Umstellung werden sollte -, SBOE, AHT, Pankl (derzeit alle mit "Buy"), Böhler-Uddeholm, Mayr-Melnhof, OMV, Wienerberger, Bau Holding (alle "Outperform"), RHI, AUA, Eybl International, Semperit (alle "Neutral") und VA Tech ("Underperform"). Das Potenzial der Finanzwerte (Generali) wird "Neutral" eingeschätzt. Defensive Werte - EVN, Verbund (Neutral), Flughafen (Outperform), Libro (Neutral), Austria Tabak (Outperform), Wolford (Neutral), BBAG/Brau Union (Neutral) - sollten in den nächsten drei Monaten noch als "sichere Häfen" von der Flucht aus den Technologiewerten profitieren, auf Sicht von sechs Monaten werde dies aber aufhören, meinte Artner. Die Technologiebranche sollte in den nächsten drei Monaten noch unter Druck bleiben und sich abschwächen, danach sollte der Boden gefunden worden sein und sich zumindest eine Seitwärtsbewegung eingestellt haben. Die Empfehlungen der Erste Bank in diesem Sektor: Gericom und Adocn (Buy), TopCall, BWT, Sanochemia, Qiagen (Outperform), AT&S, betandwin.com, Telekom Austria und Fabasoft (Neutral). (APA)