Washington/Bagdad/Moskau - Die USA und Großbritannien haben einen angeblich tödlichen Luftangriff auf den Norden des Irak bestritten. Die Vorwürfe Bagdads, amerikanische und britische Flugzeuge hätten am Dienstagmorgen einen Fußballplatz nahe der Stadt Mossul bombardiert und dabei 23 Menschen getötet, bezeichnete ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington am Mittwoch als "Erfindung". Das britische Außenministerium betonte, mehrere Flugzeuge der Verbündeten seien in der Nacht zum Mittwoch von irakischer Seite angegriffen worden. Möglicherweise sei dabei eine fehlgeleitete irakische Rakete auf dem Fußballplatz in der Flugverbotszone eingeschlagen. Die amtliche irakische Nachrichtenagentur INA hatte am Mittwoch gemeldet, die USA und Großbritannien hätten erneut ein "schändliches Verbrechen" gegen das irakische Volk begangen. aut INA waren die Opfer zwischen vier und 29 Jahren alt. Die Toten seien am Mittwoch unter großer Anteilnahme der Bewohner von Tel Afr etwa 45 Kilometer von Mossul beerdigt worden. Unter Berufung auf die irakische Version des Vorfalls verurteilte die russische Regierung das Vorgehen der Alliierten. Die USA und Großbritannien müssten ihre "Aktivitäten" in der Flugverbotszone unverzüglich beenden, forderte ein Diplomat laut der Nachrichtenagentur Interfax. Piloten haben nicht zurückgeschossen Nach Angaben des britischen Außenministeriums blieben die Flugzeuge bei dem irakischen Angriff unbeschädigt. Die Piloten hätten nicht zurückgeschossen. Nach Angaben eines irakischen Regierungsvertreters erfolgte der Luftangriff auf den Platz in Tel Afr am Dienstag um elf Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MESZ). Ein Sprecher des Kommandos der US-Streitkräfte in Europa bezeichnete die irakische Darstellung als absolut falsch. "Dies ist nur ein weiteres Beispiel irakische Propaganda", hieß es in einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums. Regelmäßige Patrouillen Britische und amerikanische Flugzeuge fliegen regelmäßig Patrouillen in der Flugverbotszone über dem Irak nördlich des 36. und südlich des 33. Breitengrads. Dabei kommt es häufig zu Zwischenfällen mit der irakischen Armee, die die Flugverbotszone nicht anerkennt. Nach mehr als zweijähriger Pause hatten britische und US-Flugzeuge im Februar erstmals wieder irakische Militäreinrichtungen in der Nähe von Bagdad bombardiert. Dabei wurden offiziellen irakischen Angaben zufolge zwei Menschen getötet und mehr als 20 verletzt. Das Vorgehen löste weltweit scharfe Kritik aus. US-Präsident George W. Bush hatte den Luftangriff als "Routine-Operation" zum Schutz der Flugverbotszone bezeichnet. Die Beziehungen zwischen Bagdad und den Regierungen in London und Washington sind derzeit besonders gespannt. Grund ist die geplante Reform der UNO-Sanktionen gegen Bagdad, die seit der irakischen Invasion auf Kuwait 1990 bestehen. Aus Protest gegen das Vorhaben stellte der Irak Anfang des Monats seine Ölexporte ein. (APA/AP)